Finanzkrise im antiken Rom
Als die Weltmacht in die Finanzkrise rutschte

Wie sich die Bilder gleichen: Vor zwei Jahrtausenden wurde Rom, das Zentrum der antiken Welt, von einer schweren Finanzkrise erschüttert, die an den Immobilienmärkten ihren Ausgang nahm. Die antike Supermacht reagierte mit einer drastischen Rettungsmaßnahme.
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DÜSSELDORF. Die New Yorker Börse sieht nicht ohne Grund aus wie ein antiker Tempel. Die Geldgeschäfte der Römer standen unter dem Schutz der Göttin Juno Moneta, ihr Tempel auf dem Forum Romanum war so etwas Ähnliches wie eine Börse. Und was dort in den Jahren vor 66 v. Chr. passierte, erinnert an die Gegenwart: eine von den Immobilienmärkten ausgehende Finanzkrise.

Auch damals bangten Anleger um ihr Vermögen. Auch damals waren nicht nur die unmittelbaren Immobilienbesitzer und die beteiligten Finanziers betroffen. Auch damals ließ sich das Problem nicht regional begrenzen.

Ein prominenter Zeuge berichtet: "Als sehr viele Leute große Vermögen in Asien verloren hatten, brach das Kreditgeschäft in Rom wegen der geminderten Zahlungsfähigkeit zusammen. Es ist nämlich unmöglich, dass viele Menschen Hab und Gut einbüßen, ohne dass sie noch andere mit sich ins gleiche Unglück reißen. Bewahrt den Staat vor dieser Gefahr! Es sind nämlich - glaubt mir dieses, weil ihr es selbst seht - dieses Kreditwesen und dieser Finanzmarkt, welcher in Rom auf dem Forum seinen Mittelpunkt hat, mit dem Geldwesen in Asien eng verflochten. Jene Dinge dort in Asien können nicht zusammenbrechen, ohne dass die hiesige Finanzwirtschaft von derselben Erschütterung erfasst wird und ebenfalls zusammenbricht." So klagte 66 v. Chr. der Anwalt und Senator Marcus Tullius Cicero (106-43 v. Chr.) in einer Rede vor dem Senat. Die Maßnahme, die er dagegen zu ergreifen forderte, war weit drastischer als heutige Rettungspakete: Krieg – ein Mittel, das die Römer besser beherrschten als alle anderen.

Begonnen hatte alles - für römische Verhältnisse - ungewöhnlich friedlich: Nach dem Tode des Königs Attalos III. fiel sein Reich Pergamon im Westen der heutigen Türkei 133 v. Chr. an Rom. Es war ein reiches Land. Reich an Agrar-Erträgen und Bodenschätzen, vor allem Edelmetallen. Die Lyder hatten dort im 7. Jahrhundert v. Chr. die ersten Münzen geprägt. Die Römer nannten ihre neue Provinz "Asia".

Viele Patrizier, darunter nicht wenige Senatoren, und Bankiers aus dem Ritterstand, fielen wie Heuschrecken über die neue Provinz her. Sie kauften Land und bauten Villen und Latifundien (Landgüter). "Seit dem 3. Jahrhundert war die römische Nobilität nicht mehr im Handel aktiv; das führte dazu, dass sie mehr auf Landeigentum setzte", sagt Burkhard Meißner, Professor für Alte Geschichte an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg. Meist hatten sie Hypotheken für den Erwerb aufgenommen: "Sich zu verschulden gehörte im antiken Rom fast zum guten Ton, um ein politisches Amt zu erreichen", weiß Meißner.

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