Firmen wollen deutschen Markt erobern
Lager-Parkhäuser kommen in Mode

Landsberger Straße 366 in München, auf der Rückseite des Gebäudes liegt der Bahndamm. Der Bau mit Auffahrt und Schranke sieht aus wie ein modernes, blitzblankes Parkhaus. Hier werden aber keine Fahrzeuge abgestellt, sondern Kunden können auf sieben Stockwerken in angemieteten, vollklimatisierten Räumen alles abladen, was nicht in den eigenen Keller oder Lagerraum passt.

HB MÜNCHEN. Die Idee der Mietlager stammt aus Amerika, kommt aber auch langsam in Ballungszentren hier zu Lande in Mode. Am vollautomatischen Eingangstor gibt der Kunde seinen achtstelligen Code ein. Das Tor öffnet sich, sofern er keinen Rückstand bei der Miete hat. In die ersten drei Stockwerke kann er direkt auf eine Rampe fahren. In die oberen Stockwerke führt hingegen ein Lastenaufzug.

Die Parzellen haben eine Größe von ein bis 50 Quadratmeter, bei Mietpreisen ab 30 Euro im Monat. Beim Betreten der Gänge schaltet sich automatisch Musik ein. Die Räume sind nicht einsehbar und mit Vorhängeschlössern gesichert, für die nur der Kunde einen Schlüssel hat. Alle Gänge werden mit Videokameras überwacht. Anders als bei Umzugsunternehmen sind die Lagerplätze von sechs bis 22 Uhr zugänglich, danach schaltet ein Sicherheitsdienst die Alarmanlage scharf.

„Wir sind nicht mit einer billigen Lagerhalle vergleichbar, sondern eine moderne Dienstleistung“, sagt Martin Gerhardus, Geschäftsführender Gesellschafter von Selfstorage dein Lagerraum. Probleme mit Diebstahl gab es bislang nicht. Der ehemalige Vorstand des österreichischen Papierhändlers Europapapier hat das Unternehmen 1999 mit einem österreichischen Partner gegründet. In der Alpenrepublik verfügt das Unternehmen bereits über fünf Standorte, davon vier in Wien und einen in Graz.

Rund 6 Mill. Euro haben die Österreicher in das Münchener Projekt investiert. Nach einem Jahr erreicht die Auslastung über 30 %, nächstes Jahr sollen es 45 % werden. „Ab 60 % verlieren wir kein Geld mehr“, sagt Gerhardus und hofft, dieses Ziel ab 2005 zu erreichen. Er glaubt fest daran, dass München als Standort genauso gut funktioniert wie Wien. In diesem Jahr will der noch kleine Marktführer im deutschsprachigen Raum seinen Umsatz von zwei auf drei Mill. Euro steigern. Bis 2008 wollen sie in Deutschland bis zu 30 Mill. Euro investieren.

Hier zu Lande tummeln sich mehrere kleinere Firmen. Der Anbieter Lagerbox beispielsweise bietet seine Dienste bereits in Frankfurt und Düsseldorf an. Beide Unternehmen müssen noch viel Geld in Werbung stecken, um die Dienstleistung in Deutschland bekannt zu machen.

In den USA und Großbritannien dagegen gibt es längst börsennotierte Unternehmen, die den Markt besetzen. US-Marktführer PSI kommt mit einem Marktanteil in Nordamerika von 15 % auf einen Umsatz von mehr als 800 Mill. Euro. In den USA gibt es bereits 30 000 Self- Storage-Hallen, das heißt auf 10 000 Einwohner kommt eine Anlage.

Für die kleineren deutschen Startup-Unternehmen könnte es demnächst eng werden. Der zweite große US-Anbieter Shurgard Self Storage, der 200 Mill. $ Umsatz an 450 Standorten erzielt, will im Herbst den ersten deutschen Standort in Mönchengladbach eröffnen und hat bereits seinen Werbeetat für den gesamten deutschen Markt in siebenstelliger Höhe vergeben.

Laut einer Emnid-Umfrage haben ein Fünftel der Deutschen zu wenig Platz für Lagerfläche. Die optimistischen Marktforscher billigen der Idee auch in Europa ein enormes Marktpotenzial zu. Bei US-Verhältnissen müssten in Europa 12 000 dieser Anlagen entstehen. Bislang gibt es weniger als 400, zwei Drittel davon in Großbritannien.

Die Idee funktioniert aber nur in Ballungszentren, wo Wohn- und Büroraum knapp sind. So gehören beispielsweise viele Selbstständige, die ihre Akten oder Saisonware einstellen, zu den Kunden. Laut Vertrag dürfen keine gefährlichen Stoffe eingelagert werden, doch was die Mieter wirklich in ihr Lager stellen, wissen die Unternehmen nicht. „Wir müssen den Leuten vertrauen. Ein Vermieter eines Wohnhauses weiß auch nicht, was in seinen Wohnungen passiert“, sagt Gerhardus.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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