Fischzucht-Projekt
Barsch aus dem Becken

Im Saarland entsteht derzeit eine weltweit einzigartige Aquakulturanlage, die Seefisch für Gourmet-Restaurants produzieren soll. Mit dem zwölf Millionen Euro teuren Projekt will die Fischzucht-Industrie auch ihr schlechtes Image aufpolieren.
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BERLIN. Wolfsbarsch und Dorade vom Festland? „Unmöglich“, würden Fischer sagen. Schließlich leben die Tiere im Meer. Doch schon im nächsten Jahr sollen 500 Tonnen Seefisch auf einer Farm im Saarland gefangen werden – mitten auf dem Kontinent. Die International Fish Farming Technology (IFFT) aus Bergisch Gladbach errichtet fünf riesige Hallenbecken auf einem ehemaligen Kokereigelände in Völklingen. Hier sollen sich in wenigen Monaten Stör, Steinbutt, Fluss- und Wolfsbarsch sowie Goldbrasse vermehren. Es ist die erste Anlage dieser Art.

Mit dem zwölf Mio. Euro teuren Vorzeigeprojekt soll die Aquakultur ihren schlechten Ruf ablegen. Garnelen, vollgepumpt mit Antibiotika, kranke Fische, zusammengepfercht in Käfigen, verkotete Anlagen und zerstörte Natur – die Fischzucht auf Land machte bisher vor allem mit negativen Schlagzeilen von sich reden.

Doch die Ozeane geben nicht mehr viel her, die Wildfänge stagnieren. 88 Prozent der Bestände in EU-Gewässern sind überfischt, klagt die Europäische Kommission. Weil die Weltbevölkerung aber wächst und mit ihr der Nahrungsmittelbedarf, ist die Aquakultur der einzige Ausweg. Schon heute stammt jeder dritte Fisch aus künstlichen Anlagen. Die Produktion werde steigen, sagt Holger Wurl von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Die Welternährungsorganisation FAO rechnet damit, dass sich Fänge aus Farmen bis 2050 mehr als verdoppeln.

Lob von Experten

Eine saubere Lösung sehen Fachleute in geschlossenen Kreislaufanlagen. Diese haben mit offenen Fischfarmen vor der Küste oder Käfigparks im Ozean nichts gemeinsam. Die Fische wachsen in Hallen unter kontrollierten Bedingungen auf, abgeschirmt von der Außenwelt.

Die Fischfarm des IFFT setzt diese Vorgabe kommerziell um. Temperatur, Wassermenge, Sauerstoff-, Stickstoff- und Phosphatgehalt, Licht und Schadstoffe: Die Umweltbedingungen werden rund um die Uhr kontrolliert. Die Beleuchtung ist dem Tageslicht im natürlichen Lebensraum nachempfunden. Fenster gibt es nicht – dafür dämmert es zu Zeiten wie am Mittelmeer. Die Setzlinge werden steril in Quarantäne aufgezogen. Wer die Hallen betritt, muss Schuhe und Hände desinfizieren. Das soll ausschließen, dass die Tiere an eingeschleppten Erregern erkranken.

Die Anlage säubert das Wasser mechanisch, chemisch und biologisch. In Völklingen strömt es unter anderem von oben in einen Turm, durch den Luft im Gemisch mit Ozon aufsteigt – ein bewährtes Desinfektionsmittel. „Es geht nicht darum, alle Bakterien zu töten, sondern organische Stoffe zu entfernen und die Zahl der Mikroben zu senken“, sagt Uwe Waller. Der Stiftungsprofessor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes begleitet den Aufbau der Farm.

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  • Hallo
    ich habe ihren bericht mit großem interesse gelesen.
    ich würde gerne etwas darüber auf meiner Seite schreiben. ist die Anlage schon in betrieb? und wie sieht es mit dem planzlichenfutter aus. Fotos von der Anlage wären auch schön.
    Mit freundlichen Grüßen
    Rüdiger Großmann

  • Sehr geehrte Damen und Herren,

    in ihrem Artikel "barsch aus dem becken" behaupten Sie zum Schluss unter "Umweltschäden" das Tilapia-buntbarsche in Afrika andere Fischarten verdrängen! Können Sie diese Aussage belegen??

    Des Weiteren behaupten Sie, dass die Anlage weltweit "einzigartig" sei. Worauf beziehen Sie das? Auf das Salzwasser, auf die Fischarten, die dort gezüchtet werden?

    Über eine Antwort würde ich mich freuen.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Albert Altena

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