Flores-Mensch Dem „Hobbit“ auf die Füße geschaut

Der Streit um den kleinwüchsigen Frühmenschen, dessen Knochen 2003 auf der indonesischen Insel Flores gefunden wurden, geht in eine neue Runde. Zwei aktuelle Studien haben neue Belege dafür gefunden, dass der „Hobbit“ eine eigene, besonders kleine Menschenart repräsentierte.
  • Tinka Wolf
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Kleines Köpfchen - große Diskussion: Thomas Sutikna vom Indonesischen Zentrum für Archäologie hält den Schädel des Homo floresiensis in der Hand. Quelle: dpa

Kleines Köpfchen - große Diskussion: Thomas Sutikna vom Indonesischen Zentrum für Archäologie hält den Schädel des Homo floresiensis in der Hand.

(Foto: dpa)

DÜSSELDORF. Seit seiner Entdeckung im Jahr 2003 ist der sogenannte Flores-Mensch der Zankapfel schlechthin und spaltet die Wissenschaft: Gehörte jenes auch als „Hobbit“ bekannte Individuum, dessen Knochen auf der zu Indonesien gehörenden Insel Flores gefunden wurden, zu einer eigenen, besonders kleinen Menschenart, wie seine Entdecker glauben? Oder war er bloß ein gewöhnlicher Mensch mit einer Krankheit namens Mikrozephalie?

Gleich zwei Studien im Fachblatt „Nature“ unterstützen nun die erste Theorie. Ihr zufolge war der Homo floresiensis, der bis vor 18 000 Jahren auf der indonesischen Insel Flores gelebt hat, eine eigene Art.

Die erste Arbeit stammt von Wissenschaftlern des Naturgeschichtlichen Museums in London, die den Schädel des Flores-Menschen mit den Schädeln von Zwergflusspferden aus Madagaskar verglichen. Sie stellten fest, dass die Zwergflusspferde im Vergleich zur Körpergröße deutlich kleinere Gehirne hatten als ihre normal großen Verwandten. „Das Gleiche könnte auch für den Homo floresiensis gelten“, meint Eleanor Weston, die die Studie geleitet hat. Dass der „Hobbit“ ein kleines Gehirn hatte, muss also nach Ansicht der Forscher nicht zwangsläufig bedeuten, dass er an einer Missbildung gelitten hat.

In der zweiten Studie befassten sich Forscher um William Jungers von der Stony-Brook-Universität in New York mit den Füßen des Homo floresiensis. „Die Hobbits gingen anders als der moderne Mensch“, sagt William Harcourt-Smith vom Amerikanischen Nationalmuseum für Naturgeschichte in New York, der an der Studie beteiligt war. „Ihre Füße weisen eine Kombination aus menschenähnlichen und eher primitiven frühmenschlichen Merkmalen auf.“

Zwar ist die relativ steife Fußkonstruktion des „Hobbits“ typisch für Zweibeiner, ebenso wie der große Zeh, der parallel zu den anderen Zehen steht und nicht, wie bei Affen, zum Greifen benutzt werden kann. Andererseits jedoch waren die Hobbit-Füße im Vergleich zu den Beinknochen überproportional lang.

Den wichtigsten Hinweis jedoch lieferte den Forschern ein Knochen aus der Fußwurzel des Homo floresiensis, das sogenannte Kahnbein. Das ähnelte eher dem Kahnbein der Menschenaffen als dem der Menschen – dem Flores-Menschen dürften die Wölbung des Fußes und damit die Fähigkeit zum Langstreckenlauf gefehlt haben.

„Die Fußwölbung ist das typische Kennzeichen für die Füße des modernen Menschen“, so Harcourt-Smith. „Das ist ein weiteres starkes Indiz dafür, dass der ,Hobbit’ nicht so war wie wir.“

Was genau er war, vermögen die Forscher nach wie vor nicht zu sagen. „Homo floresiensis ist entweder ein zwergwüchsiger Nachkomme von Homo erectus, oder er stellt, wie es unsere Analyse vermuten lässt, eine neue Spezies dar, mit einem Vorfahren, der viel früher aus Afrika aufgebrochen ist, als man bisher dachte“, meint Jungers. „Wie auch immer, die Auswirkungen auf die menschliche Evolution sind tiefgreifend.“

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