Flug von "Atlantis"
Shuttle-Start wird zum Happening für eine Million Menschen

Das letzte Shuttle der US-Raumfahrtgeschichte ist gestartet - und hat eine Million Menschen an die "Space Coast" Floridas getrieben. Die Zuschauer erlebten eine Ganzkörpererfahrung, die es so wohl nie wieder geben wird.
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Cape Canaveral3,2,1... und Stille. Unendlich lang scheint die Welt innezuhalten, bis sich plötzlich eine gewaltige Rauchwolke ausbreitet. In Wirklichkeit sind es nur Bruchteile einer Sekunde, dann vibriert der Boden im Weltraumbahnhof in Cape Canaveral. Flammende Raketen dröhnen lauter als eine Parade tausender Motorradfahrer es jemals könnte. Bis es wehtut blendet der Feuerschwall unter dem Space Shuttle „Atlantis“ die Augen, auch in Kilometern Entfernung noch. Seine Hitze erreicht die Betrachter wie Wüstenwind.

Es dauert keine Minute, dann verschwindet das 2000 Tonnen schwere Luftgefährt in den dichten Wolken über dem Atlantik. Ein letztes Mal erleben Hunderttausende Menschen, wie es ist, eine der berühmten Raumfähren in den Orbit fliegen zu sehen. Mancher zahlte auf dem Schwarzmarkt Tausende Dollar für eigentlich recht günstige Eintrittskarten ins Kennedy Space Center. Es war ihre letzte Chance - die Ikonen von Raumfahrtfans werden nie wieder ins All fliegen. Nach 30 Jahren sind die Space Shuttle jetzt nur noch Museumsstücke.

„Es ist eines der Dinge im Leben, die ich noch einmal sehen musste“, sagt Stephane Delettre, der sich das Spektakel in Titusville anschaute. Der Ort bietet von seiner Küste eine klare Sicht auf den 20 Kilometer entfernten Weltraumbahnhof. Die ganze Nacht ist der Fluglinien-Mitarbeiter mit seinem Sohn Alex von seinem Heimatstaat Virginia durchgefahren, nur um sich rechtzeitig am Vortag des Shuttle-Starts ein kleines durchnässtes Rasenstück für sein Zelt zu sichern. „Der Schönheit des Shuttle, sein Sound, die Vibration - das ist eine Ganzkörper-Erfahrung“, schwärmt er.

Doch es ist nicht nur ein folkloristisches Schauspiel oder die Gelegenheit für einen Zeltausflug, das fast eine Million Menschen am Freitag an die sogenannte „Space Coast“ in Florida trieb. Für viele ist die bemannte Raumfahrt ein nationaler Schatz, den es zu bewahren gilt und dem sie mit ihrem Besuch Respekt erweisen wollen. Mit der Entscheidung aus Washington, die überteuerten Shuttle ins Museum zu schicken, hadern sie schon aus patriotischen Gründen. „Wir müssen doch nach vorne denken. Man kann doch kein Preisschild auf die Erkundung des Weltalls kleben“, sagt Beverly Carroll.

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  • mit der X -37B besteht die möglichkeit die militärischen operationen angemessen umzusetzen mit wesentlich geringeren kosten.

  • Tja, er Kommerz und das Ideale, der Grundkonflikt der westlichen Zivilisation!

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