Flug zur ISS
Der Countdown läuft: Reiters Warten hat ein Ende

Geduld hat Thomas Reiter in der Vergangenheit genug bewiesen. Fünf Jahre lang musste er auf seinen Start im Space-Shuttle zur ISS warten. Am kommenden Samstag soll der Countdown endlich enden.

KÖLN. Für einen kurzen Moment sieht man Thomas Reiter an, dass er genug hat. Sein Blick ist erschöpft, ein lautloser Seufzer der Ermüdung, als wollte er sagen: „Ich würde gerne verschwinden.“ Das sagt er – blond, blauer ESA-Einteiler – natürlich nicht, sondern stellt sich nach der Pressekonferenz auf dem Gelände der DLR den Einzelinterviews, dann noch ein Gruppenfoto mit Vertretern eines Perry-Rhodan-Fanclubs und noch ein Autogramm für den TV-Journalisten, immer freundlich lächelnd. Thomas Reiter hat Geduld.

Geduld zu haben ist die Eigenschaft, die man ihm zuletzt am meisten abverlangte. Fünf Jahre musste er auf seinen Start mit dem Space-Shuttle zur Internationalen Raumstation (ISS) warten, viermal wurde der Termin verschoben. Am kommenden Samstag soll der Countdown zu Ende gezählt werden, bis es um 21:48 (MESZ) Uhr endlich heißt: Ready for lift off! Zwei Tage später wechselt er dann vom US-Raumgleiter auf die Internationale Raumstation (ISS).

Reiter, 48, verheiratet und Vater von zwei Söhnen, ist nicht das erste Mal auf einer Raumstation, aber der erste Deutsche auf der ISS. Der Jetpilot war Mitte der 90er-Jahre 179 Tage auf der russischen Mir und durfte zweimal die Station zu Außeneinsätzen verlassen. Wenn alles gut geht, wird Reiter am Ende dieser Langzeit-Mission mit Namen Astrolab der ESA-Astronaut sein, der die längste Zeit im All verbracht hat.

Außer seinem geplanten dritten Außentrip hat er einiges zu erledigen auf der ISS. Er wird die ständige Besatzung wieder auf die Normalstärke von drei Mitgliedern bringen. Seit dem Columbia-Unglück im Februar 2003 konnte die Zwei-Mann-Besetzung nur Dienst auf Sparflamme verrichten. Damit sind dann auch Kapazitäten für wissenschaftliche Experimente frei. Die Versuche reichen von der Physiologie des Menschen in der Schwerelosigkeit, über Plasmaphysik bis zu Strahlungsbelastungen im Orbit. Reiter, Ingenieur der Luft- und Raumfahrttechnik, wurde von jedem Wissenschaftlerteam extra eingewiesen. „Die Grundlagen habe ich in ein- bis vierstündigen Vorlesungen präsentiert bekommen“, sagt er. An Bord sind 160 Stunden für die Experimente eingeplant. Auch wenn vieles in festgeschriebenen Prozeduren abläuft, der Faktor Mensch spiele dabei eine entscheidende Rolle: „Wir können solche Versuche nur in der bemannten Raumfahrt machen, weil nur Menschen flexibel genug reagieren können, wenn etwa Messwerte von den erwarteten Werten abweichen“, verteidigt Reiter Astronauten im All. In schwierigen Fällen könne er sich mit den Wissenschaftlern über Funk kurzschließen.

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