Flughafensicherheit
Emili checkt alles

Der Physiker Norbert Klein hat ein Gerät erfunden, das die Gepäckkontrollen an Flughäfen beschleunigen kann. "Emili", ein bauchiger Handscanner mit langem Hals, kann erkennen, ob es sich bei den Flascheninhalten von Passagieren um harmlose Flüssigkeiten oder um Sprengstoff handelt.

Manchmal kommen einem die besten Ideen auf dem Weg zur Arbeit. Und manchmal ist der Anlass so gar nicht zum Jubeln. Es ist der 10. August 2006, als der Physiker Norbert Klein die Nachricht im Autoradio hört: Scotland Yard hat nachts in London 25 mutmaßliche Terroristen verhaftet. Mit Flüssigsprengstoff wollten sie Flugzeuge auf dem Weg in die USA in die Luft jagen, es wäre der größte Anschlag seit dem 11. September 2001 geworden. Klein erschaudert. Das Thema Flüssigsprengstoff kreist ihm im Kopf.

Plötzlich scheint alles gefährlich zu sein, jeder Softdrink im Handgepäck eine potenzielle Bombe. Weltweit werden die Sicherheitsbestimmungen massiv verschärft: Nur Fläschchen von 100 Millilitern dürfen noch mit an Bord, verpackt in eine durchsichtige Plastiktüte. Zugleich wird der Ruf laut nach neuen und mobilen Detektionsverfahren.

Im Forschungszentrum Jülich, wo Klein eigentlich an Bio- und Nanosystemen forscht, findet er alle Voraussetzungen, um mit einem kleinen Team an einer Lösung zu basteln. Klein hat zuvor an einer Methode gearbeitet, um die Feuchte von Mauern oder Holz zu überprüfen. Er denkt die Methode weiter: "Was wäre, wenn wir ein Gerät bauen könnten, das erkennt, ob Wasser oder Sprengstoff in einer Flasche ist?", erinnert sich der 48-Jährige. "Wir wussten: Es muss schnell gehen."

Heute steht Klein - die Schultern leicht nach vorn gebeugt, die langen Arme auf den Tisch gestützt - vor einem Gewirr von Testflaschen mit Wasser, Sonnencreme, Duschbad und Schnaps. Mittendrin: Emili - ein bauchiges Gerät mit langem Hals, an dem oben ein Display hängt. Emilis Name deutet ihre Spezialität an: "Electromagnetic Identification of Liquids" - Klein erklärt: "Sie kann zwar nicht chemisch analysieren, was genau in der Flasche ist, dafür aber per Molekülanalyse feststellen, ob es gefährlich ist oder nicht." Eine Sekunde, nachdem sie Mikrowellen in die Flasche gesendet hat, kann jeder Laie auf Emilis Bildschirm ablesen, ob Gefahr droht. "Flasche draufstellen, ablesen, ganz einfach." Emili ist marktreif, hat seinen Praxistest am Prager Flughafen bereits bestanden, momentan prüft das Bundeskriminalamt (BKA) die Zulassung.

Klein ist groß, blond, Vater von fünf Söhnen. Wenn er mit seiner ruhigen, überraschend jungen Stimme von Emili spricht, klingt das fast nach einem weiteren Familienmitglied - einer Tochter.

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