Flugzeugbau
Notfallknopf soll Cockpits sicherer machen

Flugzeugbauer arbeiten an modernen Kabinen und Cockpitsystemen, die helfen sollen, menschliche Schwächen der Piloten im Notfall auszugleichen.
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Le BourgetSpekulieren will niemand, drüber geredet wird dennoch viel: Wieso treffen erfahrene Piloten trotz guter Ausbildung fatale Entscheidungen im Cockpit? Der noch völlig ungeklärte Tupolew-Absturz in Russland gab der Frage neue Aktualität auf der weltgrößten Luftfahrtschau in Le Bourget bei Paris. Auf einer Messe, die ein Tummelplatz für Luftfahrtexperten aus aller Welt ist, liefert auch der mysteriöse Absturz von Flug AF447 Gesprächsstoff. Vor zwei Jahren hatte der Absturz die damalige Messe überschattet.

Bei dem Absturz der Air-France-Maschine waren am Pfingstmontag 2009 alle 228 Menschen an Bord ums Leben gekommen, darunter 28 Deutsche. Heute weiß man zwar mehr, steht aber vor der Frage: Warum stürzte das Flugzeug trotz einer gut ausgebildeten Cockpit-Crew fast vier Minuten lang ohne Gegenreaktion mit rasender Geschwindigkeit aus 11.500 Metern Höhe in den Atlantik?

Dennis Bonnet von der Thales-Tochter ODICIS hat zumindest eine Erklärung parat: „Es gibt in der Tat das Phänomen, dass auch erfahrene Piloten mitunter einfach nicht wahrhaben wollen, was sie sehen.“ Der Manager weiß, wovon er spricht: Er entwirft das Cockpit der Zukunft, „Cockpit 3.0“. Sein in Bordeaux ansässiger Arbeitgeber hat militärische wie auch zivile Kunden: „Wir beschäftigen in unserem Team auch Psychologen, weil wir menschliche Unzulänglichkeiten bei unseren Entwürfen berücksichtigen müssen.“

Das in Le Bourget von ODICIS präsentierte Cockpit versucht, die Informationen für die Piloten so übersichtlich wie möglich aufs Wesentliche zu reduzieren. Es besteht im Grunde aus einem riesigen Bildschirm, der auch visuelle Simulationen und Kamerabilder zeigt - selbst von den Triebwerken.

Der US-Elektronikhersteller Rockwell Collins geht noch einen radikalen Schritt weiter. Das Unternehmen hat bereits ein System entwickelt, das Flugzeuge in Notsituationen automatisch stabilisiert. Registrieren die Sensoren einen möglichen Druckabfall im Cockpit, ohne dass der Pilot reagiert, wird automatisch ein Sinkflug auf 4500 Meter Höhe eingeleitet.

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  • „Es gibt in der Tat das Phänomen, dass auch erfahrene Piloten mitunter einfach nicht wahrhaben wollen, was sie sehen.“
    Besonders wenn sie irgenwo schlafen und überhauptnicht in der Cockpit sind. (Air France).

  • Zitat:
    "Wird der Knopf gedrückt, bringt das System die Maschine automatisch in eine stabile Flugposition. Hat das Flugzeug bereits bedrohlich an Höhe verloren, wird zudem automatisch der Steigflug in eine sichere Flughöhe eingeleitet"

    Genau das ist doch das Problem! Der Absturz der AirFrance Maschine über dem Atlantik ist nicht die Schuld der Piloten, sondern geht zurück auf einen Ausfall der Geschwindigkeitsmesser gepaart mit falschen Eingriffen des Bordcomputers. Vereinfacht gesagt hat der Computer unter Annahme falscher Parameter das Höhenruder betätigt, wodurch es zu einem Strömungsabriss in großer Höhe kam. Die Piloten hätten dies zwar abstellen können, jedoch hätte sie dazu im Overhead panel einige Schalter betätigen müssen, was in Anbetracht der Lage nicht zuzumuten ist.
    Das Problem ist, dass ein moderner Airbus bei Reisegeschwindigkeit mit dem Sidestick kaum rein manuell steuerbar ist. Hier muss angesetzt werden. Der Notknopf muss den Computer ausschalten und das Flugzeug muss so konstruiert sein, dass der Pilot es manuell steuern kann - Boeing geht hier einen bessern Weg!

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