Flugzeugkatastrophen
Tabuthema Piloten-Selbstmord

Der Absturz der Germanwings-Maschine wurde offenbar absichtlich vom Co-Piloten der Maschine verursacht. Piloten-Selbstmorde sind für Ermittler oft ein Tabu-Thema, doch hat es solche Fälle in der Luftfahrt schon gegeben.

BerlinDer Sinkflug der abgestürzten Germanwings-Maschine ist absichtlich eingeleitet worden. Der zum Zeitpunkt der Katastrophe allein im Cockpit anwesende Co-Pilot Andreas L. hat die Zerstörung des Flugzeugs offenbar bewusst herbeigeführt. Er habe keinen Grund gehabt, die Germanwings-Maschine um 1000 Meter pro Minute sinken zu lassen. Und er habe keinen Grund gehabt, nicht auf Kontaktaufnahmen des ausgesperrten Piloten zu reagieren, so der Marseiller Staatsanwalt Brice Robin auf einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Fälle von Piloten-Selbsttötung hat es in der Geschichte der modernen Luftfahrt bereits gegeben, wenn auch selten. Doch Ermittler und Regierungsvertreter scheuen meist davor zurück, von einem Selbstmord zu sprechen. Dies kam einem Tabu gleich – auch wenn es noch so offensichtlich war, dass ein Pilot willentlich eine Maschine abstürzen ließ und damit auch andere Menschen in den Tod riss.

So tauchte in einem Abschlussbericht der US-Ermittlungsbehörden zum Absturz einer Maschine der EgyptAir 1999 vor der Küste von Massachusetts kein einziges Mal das Wort „Selbstmord“ auf – obwohl die Transportsicherheitsbehörde zum Schluss gekommen war, dass das Vorgehen des Co-Piloten den Absturz von Flug 990 und damit den Tod aller 217 Menschen an Bord verursacht hatte. Vielmehr schrieben die Ermittler, das Motiv für sein Handeln sei „nicht feststellbar“ gewesen.

Im selben Bericht heißt es, Co-Pilot Gamil Al-Batuti habe den Autopiloten ausgeschaltet, als er sich allein im Cockpit befand. Dann habe er die Maschine bodenwärts gedreht und elfmal die Worte „Ich verlasse mich auf Gott“ gesprochen. Die ägyptischen Behörden schlossen die Vorstellung eines Selbstmords sogar rundweg aus und bestanden darauf, dass ein technischer Defekt das Unglück verursacht habe.

Der Aufprall einer Maschine der SilkAir, einer Tochter von Singapore Airlines, stellte die Behörden vor ein ähnliches Dilemma im Umgang mit der Wahrheit. US-Ermittler fanden heraus, dass die Boeing 737 auf ihrem Flug von Jakarta nach Singapur 1997 absichtlich zum Absturz gebracht wurde und in einen Fluss stürzte – alle 104 Menschen an Bord kamen dabei ums Leben. Die Untersuchung der indonesischen Behörden kam derweil zu keiner schlüssigen Erkenntnis.

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