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Forscher: Arktischer Ozean in 100 Jahren im Sommer eisfrei

Nach mehr als einer Million Jahren droht der arktische Ozean in spätestens 100 Jahren erstmals im Sommer wieder eisfrei zu sein. Die Eisschmelze in der Nordpolarregion beschleunige sich, warnt eine Gruppe von US-Forschern.

dpa WASHINGTON. Nach mehr als einer Million Jahren droht der arktische Ozean in spätestens 100 Jahren erstmals im Sommer wieder eisfrei zu sein. Die Eisschmelze in der Nordpolarregion beschleunige sich, warnt eine Gruppe von US-Forschern. Dabei sei kein natürlicher Prozess zu erkennen, der dieser Entwicklung Einhalt gebieten könnte, heißt es in ihrem von der Amerikanischen Geophysikalischen Union veröffentlichten Bericht („Eos“, Bd. 86, S. 312).

„Wir sehen das Eis bereits heute schmelzen und erwarten, dass es in Zukunft dramatisch stärker abtauen wird“, sagte der Vorsitzende des wissenschaftlichen Arktis-Komitees der US-Wissenschaftsstiftung NSF, Jonathan Overpeck von der Universität von Arizona. Das Komitee hatte das bisherige Wissen über das System Arktis zusammengetragen und das Zusammenwirken seiner verschiedenen Komponenten analysiert. Das Tauwetter wird sich demnach selbst verstärken. So absorbiere etwa der dunkle Ozean immer mehr Sonnenlicht, wenn seine reflektierende Eisdecke schrumpfe, und heize sich so immer schneller auf.

Abgesehen vom Land- und Meereseis werde auch der ständig gefrorene Boden der Nordpolarregion auftauen, so dass in manchen Regionen das Bodeneis sogar auf Dauer verschwinden werde. Dadurch könnten Jahrtausende lang im gefrorenen Boden gespeicherte Klimagase entweichen und den menschengemachten Klimawandel abermals beschleunigen. Die zunehmende Eisschmelze werde schließlich zu einem weltweiten Anstieg des Meeresspiegels führen und mit den Küstenregionen den Lebensraum unzähliger Menschen überfluten.

Nach zahlreichen Klimaforschern hatte auch der Arktische Rat Ende vergangenen Jahres vor der Eisschmelze in der Nordpolregion gewarnt. Ihm zufolge ist das arktische Eis in den vergangenen 30 Jahren bereits um etwa ein Sechstel geschrumpft. Der Rat erwartet einen Temperaturanstieg von vier bis sieben Grad Celsius in der Region, wenn der Ausstoß von Treibhausgasen nicht drastisch reduziert wird. Die Temperatur steige in der Arktis bis zu drei Mal so schnell wie auf dem restlichen Planeten, warnte ein entsprechender Bericht. Bis zum Ende des Jahrhunderts würde demnach kein Eis mehr den Nordpol bedecken und der Meeresspiegel weltweit um einen Meter steigen.

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