Forscher entwickeln neue Service-Ideen für Provider
Das Handy wird zum Bildtelefon

Mit Hilfe von Datenkompression ist es Forschern vom Berliner Heinrich-Hertz-Institut gelungen, das Handy in ein Bildtelefon zu verwandeln. Mimik, Mundbewegung und Sprache werden übers mobile Netz übertragen.

hsn DÜSSELDORF. „Wir haben einen MPEG-4-Player entwickelt, mit dem Kopf-Schulter-Szenen auch bei Datenraten von wenigen kbit/s übertragen werden können“, beschreibt Peter Eisert vom Berliner Heinrich-Hertz-Institut (HHI) die Innovation. Damit lassen sich Mimik, Mundbewegung und Sprache selbst auf Handys und Pocket-PCs übertragen, die heute noch oft über Netze mit geringen Datenraten angebunden sind.

Der Trick der Forscher: Anstatt die Bildfolgen mit herkömmlichen Verfahren zur Datenkompression, wie beispielsweise MPEG-2, direkt zu codieren, wird zu Beginn des Gesprächs einmalig ein dreidimensionales Computermodell der Person übertragen. Später werden nur noch 3-D-Bewegungs- und Mimikparameter benötigt, um einen durchgängig lebensechten und synchronen Sprecher auf dem Display zu sehen und zu hören.

Basis für die Bildtelefon-Entwicklung sind Algorithmen zur Analyse und Visualisierung von Gesichtsmimik und 3-D-Bildern, die am Berliner Institut entwickelt wurden. Außerdem setzt das HHI ein neuartiges MPEG-4-Streaming ein, das die Echtzeitdarstellung von Videodaten und 3-D-Szenenstrukturen ermöglicht.

Bis das Handy jedoch tatsächlich zum Bildtelefon wird, dauert es noch etwas. „Erst müssen Mobiltelefone mehr Rechenleistung bekommen“, räumt der FHH-Forscher ein. Die Mimikanalyse sei so aufwendig, dass sie zurzeit nur auf größeren PCs durchgeführt werden könne. Daher arbeiten die Forscher zunächst an Anwendungen, bei denen sich Mobilfunker SMS-Kurznachrichten von dreidimensionalen Computerfiguren vorlesen lassen können.

Später sei auch daran gedacht, Nachrichten auf das Handy zu spielen, die von einer virtuellen Freundin oder dem virtuellen Freund vorgelesen werden. Die Mobilfunkkunden müssen sich dafür nur die entsprechende Software – ähnlich wie heute die Klingeltöne – auf ihr Telefon laden.

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