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Forscher finden unbekannte Mikroorganismen im Meeresboden

Ein deutsch-amerikanisches Forscherteam hat in mehreren Hundert Meter tiefen Sedimentschichten unter dem pazifischen Meeresboden bislang unbekannte Mikroorganismen entdeckt.

dpa OLDENBURG. Ein deutsch-amerikanisches Forscherteam hat in mehreren Hundert Meter tiefen Sedimentschichten unter dem pazifischen Meeresboden bislang unbekannte Mikroorganismen entdeckt.

Einige der Bakterien seien im Labor sogar zum Wachsen angeregt worden, berichten die Wissenschaftler im US-Fachjournal „Science“ (Bd. 306, S. 2 216). Im Institut für Chemie und Biologie des Meeres (Icbm) der Universität Oldenburg wurden mehrere neue Arten von Bakterien isoliert.

Vorausgegangen waren Expeditionen im Rahmen des internationalen Ozean-Bohrprogramms (ODP) mit einem Forschungsschiff im Frühjahr 2002. Sie wurden von Wissenschaftlern aus den USA und dem Bremer Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie geleitet. Auf der Fahrt wurden Proben aus dem Meeresboden sowohl im offenen Ozean als auch in der Nähe der Galapagos-Inseln und vor der Küste von Peru gewonnen. Die spezielle Bohrtechnik des Schiffs erlaubte es, durch Wassertiefen von mehreren tausend Metern hindurch in den Boden zu stoßen. Die Forscher untersuchten Sedimentschichten, die bis zu 420 Metern unter dem Meeresboden liegen und vor mehr als 30 Mill. Jahren abgelagert wurden.

Die Oldenburger Wissenschaftler haben von den Bakterien aus den Sedimentproben mehr als 170 Reinkulturen gewonnen. Molekularbiologische Analysen zeigten, dass sich darunter mindestens 14 Arten aus verschiedenen Verwandtschaftsgruppen befinden. Die Kultursammlung enthält mehrere bisher unbekannte Arten und mindestens eine neue Gattung. Bei vielen Isolaten handelt es sich um Sporenbildner, von denen bekannt ist, dass sie sehr lange Zeiträume überdauern können. Es wurden aber auch Bakterien gefunden, deren Verwandte man aus der Gartenerde kennt.

Noch haben die neuen Arten keine Namen, da die genaue Charakterisierung noch nicht abgeschlossen ist. Dass die neuen Bakterien der „tiefen Biosphäre“ für Menschen gefährlich sein könnten, gilt als äußerst unwahrscheinlich. Schließlich existieren die Populationen in den Sedimenten schon länger, als es Menschen auf der Erde gibt. Die Mikroorganismen müssen an extremen Druck und andauernden Hunger angepasst sein und werden im Labor mit äußerst geringen Futtermengen gezüchtet.

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