Forscher fordern bessere Entsorgung der Teilchen im Orbit
Weltraummüll wird zum Problem für die Raumfahrt

Verlorene Handschuhe fliegen durch die Gegend, Schraubenschlüssel und unzählige Metallsplitter. Mehr als 60 Cockpitfenster ihrer Spaceshuttles musste die Nasa mittlerweile austauschen, weil Weltraumschrott eingeschlagen war.

HB BERLIN. Müll im All mausert sich für die Raumfahrt zu einem ernsten Problem. Vor allem, weil Forscher zwar größere Teilchen orten können, ihnen die Vielzahl kleiner Objekte aber entgeht. Und mit der Zahl der Objekte im Raum steigt auch die Gefahr von Kollisionen und damit auch noch einmal die Anzahl der Trümmer. Beseitigen lässt sich der Müll auf absehbare Zeit nicht.

10 000 Objekte mit einer Größe zwischen zehn und 30 Zentimeter umkreisen die Erde. Die Zahl der millimetergroßen Teilchen geht in die Millionen. Wegen ihrer hohen Geschwindigkeit sind die Winzlinge aber nicht minder gefährlich. Ein fingernagelgroßes Teilchen kann einen Satelliten zerstören oder ein tellergroßes Loch in ein Raumfahrzeug schlagen.

„Der Platz im Weltraum ist begrenzt“, sagt Thomas Schildknecht vom Astronomischen Institut der Universität Bern (AIUB). Um zumindest die Orientierung auf der Müllhalde zu erleichtern, orten die Forscher im Auftrag der Europäischen Weltraumagentur ESA die Trümmer und archivieren sie. Sie beobachten dafür stets die gleichen Sternenfelder. Auf diese Weise registrieren sie Veränderungen durch vorüberziehende Teile und können so deren Laufbahn berechnen.

Das Verfahren ist weitgehend automatisiert und basiert auf einer Software, die das Teleskop und eine hochempfindliche Kamera so steuern, dass umhertrudelnde Teile sofort erfasst werden.

Erst jüngst entdeckte die Forschergruppe im geostationären Ring in 36 000 Kilometern Höhe eine bis dahin unbekannte, aber bedeutende Anhäufung von Schrottteilen mit Durchmessern von zehn Zentimetern bis zu einem Meter. Der geostationäre Ring ist exakt die Bahn, auf der Satelliten die Erde umkreisen können. „Die von uns gefundene Vermüllung ist alarmierend“, sagt Thomas Schildknecht, Projektleiter des Forschungsteams an der Universität Berlin. Die jüngsten Beobachtungen des Instituts werden in der Wissenschaft als Fortschritt gewertet.

Minipartikel erfassen die europäischen Forscher aber ebenso wenig wie der US-amerikanische Weltraumüberwachungsdienst, der den Orbit per Radar und mit Hilfe von optischen Teleskopen scannt und versucht, die Betreiber aktiver Flugobjekte rechtzeitig vor Weltraummüll zu warnen.

Wissenschaftler drängen daher darauf, den Müll zu vermeiden oder zumindest die Gefahr zu verringern. Um die Explosionsgefahr zu bannen, müsste beispielsweise nach Gebrauch eines Satelliten der Treibstoff komplett abgelassen und die Batterie entladen werden. Noch besser: Die Altlasten werden in den so genannten „Friedhofsorbit“ katapultiert, der noch einmal 300 bis 500 Kilometer über dem geostationären Ring liegt. Doch „Betreiber überzeugt die Lösung nicht“, sagt AIUB-Forscher Schildknecht. Wegen des zusätzlichen Treibstoffbedarfs gelte sie als zu kostspielig.

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