Forschung + Innovation
Forscher: Medikamente helfen Suchtkranken bei Abstinenz

Für suchtkranke Menschen wird es nach Medizineransicht dank neuer Wirkstoffe zukünftig leichter, auf den Drogenkonsum zu verzichten. In den kommenden Jahren kämen zunehmend Medikamente auf den Markt, die das unwiderstehliche Verlangen nach Stoffen wie Alkohol, Nikotin, Cannabis oder Kokain zügelten.

dpa HANNOVER. Für suchtkranke Menschen wird es nach Medizineransicht dank neuer Wirkstoffe zukünftig leichter, auf den Drogenkonsum zu verzichten. In den kommenden Jahren kämen zunehmend Medikamente auf den Markt, die das unwiderstehliche Verlangen nach Stoffen wie Alkohol, Nikotin, Cannabis oder Kokain zügelten.

Das sagte der Leiter der Abteilung Neuropharmakologie der Universität Tübingen, Prof. Werner J. Schmidt, in einem dpa-Gespräch. Sie sollen vor allem am Belohnungssystem des Gehirns ansetzen.

„Der Schlüssel für die Entwicklung solcher Medikamente ist es, den Vorgang im Gehirn zu verstehen, der Menschen süchtig werden lässt“, erläuterte Schmidt anlässlich eines Neurologiekongresses in Hannover. Drogen machten sich das Belohnungssystem des Gehirns zu Nutze, um Euphorie und Wohlbefinden auszulösen. Das System werde natürlicherweise von angenehmen Erlebnissen aktiviert, etwa Essen, Trinken oder Sex. „Das Belohnungssystem wird durch die Einnahme von Drogen immer empfindlicher und reagiert immer stärker“, erläuterte Schmidt. Dieser Prozess werde Sensitivierung genannt. „Der Mensch verliert schließlich die Kontrolle, das Verlangen nach Drogen wird unwiderstehlich.“

„Das Belohnungssystem bleibt derart überempfindlich selbst nach langen Phasen der Abstinenz“, sagte der Forscher. „Das ist der Grund, warum zum Beispiel das erste Glas Schnaps nach langer Zeit für Alkoholiker so gefährlich ist.“ Zunehmend werde an Medikamenten geforscht, die die Sensitivierung verhindern oder rückgängig machen können, betonte Schmidt. Ein Medikament für Alkoholkranke sei bereits auf dem Markt, ein weiteres gegen Nikotinsucht werde 2006 in Deutschland eingeführt. Zwar seien keine „Wundermittel“ zu erwarten, meinte Schmidt. „Die Medikamente können aber ein große Hilfe für Suchtkranke sein.“

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