Forscher nutzen die Pflanze zur Kautschuk-Produktion
Löwenzahn gibt Gummi

Ein vermeintliches Unkraut erweist sich als Hoffnungsträger für Autozulieferer oder Medizintechnikhersteller. Wissenschaftler der Universität Münster haben eine Methode entwickelt, Löwenzahn als Lieferanten für Kautschuk zu nutzen. Die Pflanze enthält den Saft, der in Autoreifen oder Untersuchungshandschuhen steckt.

DÜSSELDORF. „Die Qualität ist genau so hoch wie beim Gummibaum“, sagt Dirk Prüfer, Professor am Institut für Biochemie und Biotechnologie der Pflanzen. Derzeit konzentrieren sich die Forscher auf die Züchtung von Pflanzen mit hohem Flüssigkeitsanteil. Zum Einsatz kommt Löwenzahn aus Kasachstan. Der sieht dem deutschen Pendant sehr ähnlich, liefert aber deutlich mehr Saft: rund einen Milliliter pro Pflanze. Diese Menge wollen die Forscher nun verfünffachen. Die Ermittlung der optimalen Bedingungen für den Anbau übernimmt das Julius-Kühn-Institut in Braunschweig.

Um Löwenzahnsaft für die industrielle Weiterverarbeitung nutzbar zu machen, haben die Münsteraner ein gentechnisches Verfahren entwickelt, welches das Verharzen an der Luft verhindert und eine teure und umweltschädliche Aufbereitung überflüssig macht. „Da wir in Deutschland keine gentechnisch veränderten Löwenzahnpflanzen anbauen dürfen, werden wir diese Eigenschaft durch klassische Züchtung erzeugen“, sagt Prüfer.

Auf die Idee, aus Löwenzahn Kautschuk zu gewinnen, kamen die Wissenschaftler eher zufällig. Sie untersuchten die Pflanze bei einem medizinischen Forschungsprojekt. Angesichts steigender Kautschukpreise entschieden sie, Löwenzahn als Latexlieferanten zu nutzen. Als Latex wird die milchige Flüssigkeit in Pflanzenstängeln bezeichnet, in der Kautschuk enthalten ist. Daraus stellen weiterverarbeitende Unternehmen verschiedene Gummi-Sorten her.

Industrieunternehmen verfolgen die Forschungsarbeit mit Interesse: „Naturkautschuk wird immer knapper und teurer“, sagt Christian Kötz, Leiter Forschung & Entwicklung PKW-Reifen bei Continental in Hannover, nach eigenen Angaben der weltweit viertgrößte Reifenhersteller. „Deshalb suchen wir ständig nach neuen Quellen. Naturkautschuk aus Löwenzahn könnte eine Alternative sein.“ Der Preis für Naturkautschuk hat sich in den vergangenen sieben Jahren verfünffacht: 3.000 Dollar beträgt er derzeit pro Tonne.

Im ersten Schritt zielt Prüfer auf Nischenanwendungen – etwa in der Medizintechnik. Dort würde der Alternativkautschuk nicht nur über den Preis konkurrieren. Er habe den Vorteil, dass er anders als herkömmliche Produkte keine Allergien auslöse – für Handschuhträger in Krankenhäusern ein wichtiges Argument.

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