Forscher wollen Stammzellen aus Fettpolstern gewinnen und zur regenerativen Behandlung einsetzen
Infarkt-Patienten bekommen ihr Fett weg

Die Zeiten, in denen überschüssiges Körperfett nur aus Eitelkeit abgesaugt wurde, könnten bald der Vergangenheit angehören. Forscher des US-Unternehmens Macropore wollen den Speck an Bauch und Hüften zur regenerativen Behandlung von Herzinfarkten weiterverwenden. Dabei sollen die zwischen den Fettzellen eingelagerten Stammzellen chemisch isoliert und in das durch den Infarkt geschädigte Gewebe injiziert werden.

FRANKFURT/M. Da Herzinfarktpatienten meist unter einer Kombination aus Stress, Bewegungsmangel und Übergewicht leiden, könnte sich die neue Methode leicht zum Renner entwickeln, prophezeit Andreas Zeiher, Leiter der kardiologischen Abteilung an der Universitätsklinik in Frankfurt am Main. Ihre medizinische Überlegenheit gegenüber der gleichfalls noch jungen Therapie mit Stammzellen aus dem Knochenmark muss sie jedoch erst noch unter Beweis stellen. Erste Studien am Patienten werden voraussichtlich Mitte 2004 in den USA und in Frankfurt durchgeführt.

Die meisten Kliniken, in denen Spitzenmedizin betrieben wird, bieten den bei ihnen eingelieferten Herzinfarktpatienten bereits seit zwei bis drei Jahren die Therapie mit körpereigenen Stammzellen an, die heute jedoch nicht aus dem Fettgewebe, sondern aus dem Knochenmark gewonnen werden. Dafür wird Knochenmark aus dem Beckenknochen entnommen, die darin enthaltenen Stammzellen isoliert und in einem Kulturschälchen einige Tage vermehrt. Wenn sie anschließend in das durch den Infarkt geschädigte Gewebe injiziert werden, entfalten sie auf dreifache Weise eine regenerative Wirkung. Sie verhindern zum einen den Tod von Zellen, die durch den Sauerstoffmangel geschädigt, aber noch nicht abgestorben sind. Darüber hinaus versuchen sie, zerstörte Blutgefäße zu reparieren. In begrenzten Maße können sie aber auch neue Blutgefäße bilden.

Derzeit prüfen US-Forscher noch im Tierversuch, ob sich die regenerativen Fähigkeiten der Stammzellen aus dem Fettgewebe mit denen aus dem Knochenmark messen können. Zeiher zufolge sind die ersten Zwischenergebnisse ermutigend. Einen therapeutischen Vorteil erhofft er sich vor allem aus der besseren Reproduktionsfreudigkeit der Stammzellen aus dem Fettgewebe. Sie könne für den Patienten einen wertvollen Zeitgewinn bedeuten, da das Gewebe nach einem Infarkt erst nach und nach absterbe.

Seite 1:

Infarkt-Patienten bekommen ihr Fett weg

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%