Forscher wollen Technik revolutionieren
Reine Luft fürs Laser-Fernsehen

An der TU Berlin wurde nun eines der modernsten Reinraumlabore an Hochschulen in Betrieb genommen. Nur frei von jeder Bakterie darf der Raum betreten werden. Für das Umkleiden müssen zehn Minuten einkalkuliert werden.

HB BERLIN. Draußen vergessen sollte man besser nichts. Sonst dauert es. Der Zutritt zum Reinraumlabor im Keller des Instituts für Festkörperphysik der TU Berlin ist zeitaufwendig. Hier kommt nur rein, wer sich komplett fusselfrei einkleidet – und zwar von Kopf bis Fuß, samt Haube und Mundschutz. Erst dann springt die Kontrollleuchte der Personenschleuse auf Grün. In ihr wird dann noch der letzte Fitzel abgeblasen. Jede Hautschuppe, jedes Wimpernhärchen, jeder Krümel würde jenseits der Glastür des Reinraumlabors großen Schaden anrichten. Zehn Minuten für das Umkleiden sollte man also schon mitbringen.

Der enorme Aufwand ist notwendig, denn hier in dem neuen Nanophotonikzentrum der TU Berlin werden optoelektronische Bauteile entwickelt, die nur wenige Mikrometer – ein Tausendstel Millimeter – groß sind. Damit sind sie vergleichbar mit dem Durchmesser eines Haares das sich an einem Fliegenbein befindet. Logisch, dass hier noch so kleine Krümel nichts zu suchen haben. Zusammen mit der gesamten Versorgungstechnik erstreckt sich der Reinraumkomplex im Keller über 480 Quadratmeter. Hier im Keller ist High-Tech pur untergebracht, die man nicht erwartet, wenn man zwischen Mensa und schmucklosen Korridoren durch das Gebäude unweit des Bahnhof Zoo streift.

Im Kern des neuen Zentrums für Nanophotonik wird bei gewöhnungsbedürftigem Gelblicht gearbeitet, um, wie in einem Fotolabor, mit lichtempfindlichen Chemikalien hantieren zu können. Allein schon beim Atmen der konstant 21llC warmen Luft wird klar: Sauber ist nicht rein – hier herrscht Geruchlosigkeit. Selbst Düfte haben kaum eine Chance: Ein kompliziertes Lüftungs- und Filtersystem lässt nur noch 350 Staubteilchen durch einen Kubikmeter Luft schwirren. Das ist 10 000 Mal weniger als in normaler nicht übermäßig belasteter Umgebung.

„Wir kennen von der Reinraumanlage jede Rohrbiegung“, sagen die Physiker Marc Anatol Lochmann und Oliver Schulz. Und davon gibt es viele. Denn jedes Gas, das hier eingeleitet wird, nimmt seinen Weg durch speziell gekrümmte Leitungen. Anderthalb Jahre haben die beiden Forscher zusammen mit Institutsleiter Dieter Bimberg das Labor geplant – seit Juni arbeiten die Nanotechnikexperten in Berlin nun in einem der modernsten Reinräume an einer Hochschule.

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