Forschung
Deutsche Wissenschaft will auch mit neuen Stammzellen forschen

Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner, hat mehr Freiheit für die Forschung mit embryonalen Stammzellen verlangt. Zumindest müssten deutsche Forscher wie im Ausland auch mit neueren Stammzelllinien arbeiten können.

dpa BERLIN. Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner, hat mehr Freiheit für die Forschung mit embryonalen Stammzellen verlangt. Zumindest müssten deutsche Forscher wie im Ausland auch mit neueren Stammzelllinien arbeiten können.

Ebenso müsste die Strafandrohung bei der Beteiligung an internationalen Projekten künftig im Gesetz entfallen, sagte Kleiner am Montag in Berlin. Der Bundestag debattiert an diesem Donnerstag in erster Lesung über vier verschiedene Gesetzesentwürfe und einen Antrag zur Änderung der strengen deutschen Forschungsauflagen.

Viele Wissenschaftler seien über die zunehmende Schärfe der aktuellen Debatte in Deutschland besorgt, sagte Kleiner. Er hoffe, dass der Bundestag mit moderaten Gesetzesänderung wieder eine „Balance“ zwischen der im Grundgesetz garantierten Forschungsfreiheit und den ethisch begründeten Beschränkungen herstellen könne. Nach geltendem Recht darf in Deutschland nur mit aus dem Ausland importierten menschlichen Stammzellen geforscht werden, die vor dem 1. Januar 2002 gewonnen wurden. Diese älteren Stammzelllinien sind aber nach Aussage Kleiners inzwischen verunreinigt und damit für viele Untersuchungen nicht mehr brauchbar.

Auch die Grundlagenforschung mit Stammzellen verfolge die Perspektive, „Leben zu schützen und Leben zu heilen“, mahnte Kleiner. Gegner wie Befürworter würden nur dann miteinander ins Gespräch kommen, wenn sich beide Seiten einander moralische Anliegen zugestehen. Was dabei den einen der Lebensschutz sei, sei den anderen die Hoffnung der Kranken.

In einem Gesetzesantrag fordern 92 Abgeordnete verschiedener Fraktionen, die Stichtagsregelung im Stammzellengesetz künftig ganz zu streichen. Zugleich sollten auch die Strafandrohungen gegen deutsche Wissenschaftler bei Beteiligung an Kooperationsprojekten mit ausländischen Kollegen unterbleiben, sagten die Initiatoren des Antrags, Ulrike Flach (FDP), Katherina Reiche (CDU) und Rolf Stöckel (SPD).

Die deutsche Forschung sei bisher äußerst verantwortungsbewusst mit dem 2002 verabschiedeten Gesetzeskompromiss umgegangen, sagte Flach. Seitdem seien insgesamt 25 Forschungsgenehmigungen durch das Robert-Koch-Institut in Berlin erteilt worden. Eine einmalige Verschiebung des Stichtages - wie dies eine Gruppe von 185 Abgeordneten um René Röspel (SPD) und Ilse Aigner (CSU) anstrebt - werde in fünf Jahren wieder zu ähnlichen Problemen führen, sagte Flach. Dem Bundestag liegt des weiteren ein Antrag einer Gruppe um Priska Hinz (Grüne) und Julia Klöckner (CDU) vor, der sich gegen eine Stichtagsänderung ausspricht. 52 Abgeordnete um Hubert Hüppe (CDU) wollen ein völliges Verbot der Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen.

Der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland, der Berliner Bischof Wolfgang Huber, bekräftigte sein Plädoyer für eine Stichtagsverschiebung. Der „Süddeutschen Zeitung“ (Montag) sagte Huber, er sei damit nicht für eine „Aufweichung des Lebensschutzes“. Huber: „Ich fürchte aber, dass diese Freigabe gerade dann wahrscheinlicher wird, wenn es nur heißt: Diese Forschung darf nicht sein.“ Er wisse, dass er auch innerhalb der evangelischen Kirche für diese neue Haltung angefeindet werde. „Meine Position ist heikel, aber Verantwortungsethik ist nun einmal heikel.“

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands plädierte dagegen für ein Festhalten der Stichtagsregelung. „Niemand kann ernsthaft glauben, dass einer Änderung des Stichtags nicht über kurz oder lang weitere Datums-Verschiebungen folgen“, sagte die Vorsitzende Magdalena Bogner. So werde letztlich die Forschung mit embryonalen Stammzellen auch in Deutschland etabliert.

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