Forschung: Mehr als 100 Abgeordnete gegen Stammzellgesetz-Änderung

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Mehr als 100 Abgeordnete gegen Stammzellgesetz-Änderung

Die angestrebte Lockerung des strengen Gesetzes zur Stammzellenforschung spaltet den Bundestag. In einem am Mittwoch vorgestellten Antrag lehnen bislang 114 Abgeordnete aller Fraktionen Änderungen an der umstrittenen Stichtagsregelung ab.

dpa BERLIN. Die angestrebte Lockerung des strengen Gesetzes zur Stammzellenforschung spaltet den Bundestag. In einem am Mittwoch vorgestellten Antrag lehnen bislang 114 Abgeordnete aller Fraktionen Änderungen an der umstrittenen Stichtagsregelung ab.

Das geltende Recht erlaubt nur den Import von Stammzellen, die vor dem 1. Januar 2002 gewonnen wurden. Das Gesetz habe sich bewährt und müsse nicht verändert werden, sagte die Grünen-Expertin Priska Hinz. Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, lehnte einen früheren Stichtag ab.

Eine weitere Gruppe von Bundestagsabgeordneten tritt für die Verschiebung des Stichtags ein, um deutschen Forschern die Arbeit mit frischeren Stammzelllinien zu ermöglichen. Diese Position wird von der SPD-Spitze und Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) unterstützt. Eine dritte Gruppe fordert, den Stichtag ganz abzuschaffen. Eine Abstimmung im Bundestag bereits vor Ostern gilt als unwahrscheinlich.

Kardinal Lehmann widersprach in einem Beitrag für „Die Zeit“ dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, Berlins Bischof Wolfgang Huber. Dieser hatte sich für eine einmalige Verschiebung des Stichtags offen gezeigt. „Es gibt keinen Moment in der Entwicklung, an dem man sagen könnte, erst hier werde der Embryo zum Menschen“, schreibt Lehmann. „Bei der Herstellung von Stammzellen wird der Embryo getötet. An dieser Einsicht führt kein Weg vorbei, auch wenn man im Brustton moralischer Empörung eine „verbrauchende Embryonenforschung“ ablehnt.“

Von der Forschung an embryonalen Stammzellen erhoffen sich Wissenschaftler erhebliche Fortschritte bei der Bekämpfung von Leiden, die durch beschädigte Zellen verursacht werden. Die embryonalen Zellen stammen meist aus künstlichen Befruchtungen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) warnt, dass deutsche Experten international den Anschluss verlieren, wenn sie nur mit älteren Stammzellen forschen dürfen.

Die Grünen-Expertin Hinz sagte, die von den Forschern geweckten „Heilserwartungen an die embryonale Stammzellforschung“ hätten sich nicht erfüllt. Die Grundlagenforschung sei mit den bisher verfügbaren Zelllinien unverändert möglich. Seit der großen Bundestagsdebatte 2001/2 002 seien „keine überzeugenden neuen wissenschaftlichen, rechtlichen oder ethischen Argumente“ vorgelegt worden, heißt es in dem Antrag. Dieser ist nach Angaben von Hinz bislang von 114 Abgeordneten unterschrieben worden (60 Union, 41 Grüne, sechs SPD, vier FDP, drei Linke).

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