Forschung
Menschen verstehen Geometrie ohne Unterricht

Ein Grundverständnis für Geometrie liegt Menschen offenbar in den Genen. Auch ohne Mathematikunterricht konnten Stammes-Mitglieder aus Brasilien Aufgaben ebenso gut bewältigen wie französische Kinder.
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WashingtonMenschen haben auch ohne Mathematikunterricht ein Grundverständnis für Geometrie. Das zeigten französische Forscher anhand von Mitgliedern des Volkes der Munduruku im brasilianischen Amazonasgebiet. Véronique Izard von der Universität Paris Descartes und Kollegen baten die Ureinwohner zum Test.

Insgesamt nahmen 22 Erwachsene sowie acht Kinder im Alter von sieben und 13 Jahren aus drei isolierten Urwalddörfern teil. Die Kontrollgruppe bestand aus 16 US-amerikanischen Erwachsenen und acht französischen Kindern mit Mathematikunterricht. Sie schnitt im Geometrietest nicht besser oder schlechter ab, schreiben die Forscher in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften.

Die Testpersonen sollten beispielsweise die fehlende Spitze eines Dreiecks mit den Händen nachbilden. Beantwortet werden sollte auch die Frage, ob sich zwei nicht parallele Linien in der Unendlichkeit schneiden. "Die Antworten der Munduruku kommen jenen von mathematisch gebildeten Erwachsenen und Kindern gleich und zeigen ein intuitives Verständnis wesentlicher geometrischer Eigenschaften." So lautet eines der Ergebnisse. Dieses Verständnis entwickele sich aber erst während der Kindheit: Sechsjährige schnitten bei dem Test sehr viel schlechter ab.

Im ersten Teil sahen die Probanden auf einem Computerbildschirm einfache Zeichnungen. Darauf waren beispielsweise zwei schräge, nichtparallele Linien zu sehen, deren Enden rechts weiter auseinander zeigten als links. Fast alle Erwachsenen und Kinder (93 Prozent) beantworteten die folgende Frage richtig: Links kreuzen sich die Linien, rechts niemals. Waren von einem Dreieck lediglich die beiden unteren beiden Winkel aufgezeichnet, konnten die Munduruku Lage und Aussehen des dritten Winkels (die Spitze des Dreiecks) richtig einschätzen.

Die Studie zeigte weiter, dass Menschen die ebene Welt sehr viel leichter begreifen als die Oberflächen von Kugeln. Bat man die Probanden, die gleichen Fragen auch für Linien und Dreiecke auf einer Kugeloberfläche zu beantworten, irrten sich im Durchschnitt mehr als die Hälfte. Das galt sowohl für die Munduruku als auch für die Kontrollgruppe.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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