Forschung
Merkel gegen Freigabe der Stammzellenforschung

Die gesetzlichen Grenzen für die Forschung an embryonalen Stammzellen dürfen nach Auffassung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) allenfalls vorsichtig gelockert werden.

dpa BERLIN. Die gesetzlichen Grenzen für die Forschung an embryonalen Stammzellen dürfen nach Auffassung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) allenfalls vorsichtig gelockert werden.

Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) wandte sie sich strikt gegen Forderungen aus der Wissenschaft, den Weg für Experimente mit aus dem Ausland importierten Stammzellen generell frei zu machen. Merkel sprach sich dafür aus, in der Debatte zunächst die Vorschläge von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) abzuwarten.

In Deutschland gilt die Regelung, dass keine Embryonen getötet werden dürfen, um aus ihnen Stammzellen zu gewinnen. Auch mit aus dem Ausland importierten embryonalen Stammzellen darf nur experimentiert werden, wenn diese vor dem 1. Januar 2002 gewonnen wurden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft als Spitzenorganisation der deutschen Wissenschaft hatte kürzlich die Aufgabe dieses Stichtags verlangt.

Die CDU-Vorsitzende sagte, ihre Partei nehme die Forderungen der Forschungsgemeinschaft durchaus ernst. Die CDU werde sie aber so nicht unterstützen. Auf die Frage, ob eine Verschiebung des Stichtags etwa auf den 1. Januar 2005 denkbar sei, meinte sie: „Es gibt dazu noch keine abschließende Haltung. Was ich bisher sagen kann, ist: Eine völlige Aufgabe der Stichtagsregelung halte ich für falsch. Ob es Gründe gibt, über eine neue Stichtagsregelung nachzudenken - darüber muss zunächst die Bundesforschungsministerin eine Bewertung abgeben.“

Wissenschaftler hoffen, aus Stammzellen zum Beispiel neue Gewebeteile für den menschlichen Körper züchten zu können. Krankheiten wie Morbus Parkinson könnten dadurch in Zukunft vielleicht erfolgreicher behandelt werden. Der Bundestag hatte sich vor Jahren nach kontroverser Debatte auf im internationalen Vergleich restriktive Regeln für die Forschung mit embryonalen Stammzellen verständigt.

Merkel trat für eine tief greifende Debatte über das Thema wie vor vier Jahren ein. „Keine Gesetzesänderung in einer so existenziellen Frage ist ohne intensive Debatte denkbar. Es muss auf jeden Fall eine sehr verantwortliche Diskussion geben - und ohne Zwang irgendeiner Fraktionsdisziplin. Das ist eine echte Gewissensentscheidung.“

Die Kanzlerin warnte davor, den Blick auf die Forschung an embryonalen Stammzellen zu verengen: „Auch die Forschung an adulten Stammzellen ist eine Möglichkeit.“ Es sollte zudem „nicht der Eindruck erweckt werden, dass wegen der bei uns vergleichsweise strikten Regelung im Hinblick auf die embryonalen Stammzellen gleich der Forschungsstandort Deutschland in Gefahr ist“.

Auch der SPD-Vorsitzende Kurt Beck hatte sich kürzlich gegen eine rasche Lockerung des Stammzellengesetzes ausgesprochen. Er halte es für den falschen Weg, „im Schnelldurchlauf“ an dem geltenden Gesetz etwas zu ändern. Die damit verbundenen ethischen Fragen seien „zu schwierig“.

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