Forschung
Schavan: Neuer Stichtag keine Aufweichung des Embryonenschutzes

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) sieht in einem aktualisierten Stichtag bei der Stammzellenforschung keine Aufweichung der strengen deutschen Embryonenschutzregeln.

dpa BERLIN. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) sieht in einem aktualisierten Stichtag bei der Stammzellenforschung keine Aufweichung der strengen deutschen Embryonenschutzregeln.

Die jetzt von einer größeren fraktionsübergreifenden Parlamentariergruppe im Bundestag angestrebte Verschiebung des Stichtages für den Einsatz menschlicher embryonaler Stammzellen in der Forschung bedeute „weder eine Liberalisierung noch einen Dammbruch“ sagte Schavan am Dienstag in Berlin. Vielmehr bleibe der Schutzcharakter des 2002 vom Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedeten Gesetzes voll erhalten.

Die Forschungsministerin unterstützt mit ihrer Unterschrift zusammen mit 185 anderen Abgeordneten aller Fraktionen eine Gesetzesinitiative von René Röspel (SPD) und Ilse Aigner (CSU), mit der der Stichtag im Stammzellenimportgesetz „einmalig auf den 1. Mai 2007“ verschoben werden soll. Bisher darf in Deutschland - anders als in vielen anderen Staaten - nur mit aus dem Ausland importierten menschlichen embryonalen Stammzellen geforscht werden, die vor dem 1. Januar 2002 gewonnen worden sind.

Die im internationalen Vergleich „restriktive deutsche Gesetzgebung“ habe dazu geführt, dass die Wissenschaft in der Bundesrepublik ihren Schwerpunkt auf die ethisch unbedenkliche Forschung mit adulten Stammzellen gelegt habe, sagte Schavan. Diese Zellen werden etwa aus Haut oder der Nabelschnur gewonnen. Doch auch diese Forschung brauche „als Referenzgröße“ die Erkenntnisse der Arbeiten mit embryonalen Zellen, sagte die Ministerin weiter. Die bisher in Deutschland einsetzbaren älteren Zelllinien seien aber nach Aussagen der Wissenschaftler verunreinigt und nicht mehr brauchbar. Auch die neuen Erfolge bei der Reprogrammierung adulter Zellen aus der Haut zu sogenannten Alleskönnern in der regenerativen Medizin seien ohne die Arbeiten mit embryonalen Zellen nicht möglich gewesen.

Nach den Worten der Ministerin wird es in Deutschland weiterhin keinen Anreiz für eine „verbrauchende Forschung“ mit menschlichen Embryonen geben. Die Forschung gehe verantwortungsbewusst mit den Schutzbestimmungen um.

Der Bundestag wird an diesem Donnerstag in erster Lesung über vier verschiedene Gesetzesentwürfe und einen Antrag zur Stammzellenforschung beraten. Anfang März ist eine Bundestagsanhörung vorgesehen. Die zweite und dritte Lesung wird voraussichtlich am 13./14. März erfolgen.

Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) ist gegen eine Verschiebung des Stichtags. Sie sagte dem „Münchner Merkur“: „Wir dürfen die Augen nicht davor verschließen, dass Stammzellen nur gewonnen werden können, wenn dazu ein menschlicher Embryo getötet wird.“ Die CSU-Bundesminister sind der Zeitung zufolge für eine Verschiebung.

Der Münsteraner Stammzellforscher Prof. Hans Schöler, Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin, hatte der dpa gesagt: „Die vor dem 1. Januar 2002 gewonnenen Stammzellen sind einfach nicht gut genug, um an ihnen die anstehenden biologischen und medizinischen Fragen zu erforschen.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%