Forschung und Innovation
Nebel unter Beschuss

Die Anti-Nebel-Kanone von Felix Elbing sorgt an dunstigen Tagen für bessere Sicht. Flughafen- und Autobahnbetreiber sowie Sportveranstalter zeigen großes Interesse. Die Idee dahinter ist einfach und genial.
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Karambolagen und Staus auf Autobahnen, stundenlange Verzögerungen auf den Flughäfen, abgesagte Skirennen und Fußballspiele - Nebel ist vor allem eins: der große Lahmleger. Für Felix Elbing und seine Partner allerdings geht es dann erst richtig los, wenn im Frühjahr oder Herbst die Sicht auf wenige hundert Meter fällt und Dunstschwaden durch die Luft wabern. Denn nur dann kommt ihre Anti-Nebel-Kanone zum Einsatz. "Es ist ein saisonales Geschäft", sagt Elbing.

Und eine Herausforderung: Seit über hundert Jahren zerbrechen sich Wissenschaftler den Kopf darüber, wie man Nebelbänke zuverlässig und preiswert beseitigen könnte. Es gibt jede Menge Ideen, aber alle bisher ausgetüftelten Methoden - darunter riesige Heizstrahler, feinmaschige Fangnetze und diverse Chemikalien - haben sich als zu teuer, unpraktikabel oder umweltschädlich erwiesen. "Ernst zu nehmende Konkurrenz gibt es bislang keine", freut sich Elbing.

Seine Lösung sei billig, schnell und dabei auch noch umweltfreundlich. Die Kanone sprüht gefrorenen Kohlendioxidschnee hoch in die Luft, der sammelt die feinen Nebeltröpfchen ein und bringt sie in Form von Regen zu Boden. "Die Sicht verbessert sich innerhalb weniger Minuten", beschreibt Elbing in nüchternem Ton die Wirkung seines Nebelvernichters. Der 37-jährige Verfahrenstechniker betont jede Silbe, beschreibt alles mit einer Exaktheit, als würde er diktieren.

Nebel im großen Stil beseitigen - ist das nicht ein erhebendes Gefühl? Alles eine Frage der Technik, wiegelt Elbing ab. Und die hat der gebürtige Berliner ausgetüftelt, als er 2002 die TU Berlin verlassen und sich als Berater selbstständig gemacht hat. Sein eigentliches Spezialgebiet: die Reinigung von Werkzeugen mit Hilfe von CO2-Pallets. Die Trockeneisstückchen wurden bis dahin von Gaseherstellern wie Linde hergestellt, mit einer speziellen Kühlung zum Kunden transportiert und dort in die Reinigungsgeräte gefüllt. Zu umständlich, dachte sich Elbing. Das müsste doch auch einfacher gehen - und entwickelte ein Verfahren, mit dem Kohlendioxidschnee aus flüssigem CO2 just in time dort hergestellt wird, wo er gebraucht wird.

Die Technik wurde ein Erfolg. Die Geräte sind nicht nur um die Hälfte billiger, sondern auch die Betriebskosten sind niedriger. Das Geschäft läuft gut: Autohersteller, deren Zulieferer und andere Branchen zählen zu den Kunden.

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