Forschung und Innovation
Saurierforscher fürchten private Sammler

Trotz einer Flut von neuen Funden entgehen der Saurierforschung immer mehr wichtige Erkenntnisse. Weil viele Hobby-Archäologen die kostbaren Fossilien wie Kunstgegenstände horten und in ihren Privatsammlungen verschwinden lassen, schlägt ein Dino-Fachmann jetzt Alarm.

KARLSRUHE. "Wir haben nicht die Mittel, um vielen Sammlern Konkurrenz bieten zu können", sagt Eberhard "Dino" Frey, Saurierexperte des Staatlichen Museums für Naturkunde in Karlsruhe. Leidenschaftliche Sammler gebe es unter anderem in Japan und zunehmend auch in Dubai. "Die sammeln die Fossilien wie Kunstgegenstände."

Dabei geht es keineswegs immer nur um den Zahn eines eiszeitlichen Höhlenbären oder Mammuts, den Fußabdruck eines Dinosauriers oder einen prächtigen Farn aus der Steinkohlenzeit, sondern oft um Vorzeitspuren mit Seltenheitswert. "Oft können wir nur tränenden Auges zusehen, wie wichtige Funde in Privatsammlungen verschwinden", beklagt Frey.

"Es wird derzeit so viel Material entdeckt, dass wir mit einem vernünftigen Budget große wissenschaftliche Schritte machen könnten", sagte der Karlsruher Paläontologe weiter. Diese Forschungen könnten wichtige Aspekte liefern zum Lebensspektrum vergangener Zeiten. "Deshalb sollten wir Sponsoren stärker dafür sensibilisieren, dass es nicht nur gut ist, ein Gemälde für ein Kunstmuseum zu kaufen, sondern, dass man auch für Naturkundemuseen wichtige Dienste tun kann", sagt der Saurierexperte.

Nur in einigen Fällen würden wissenschaftlich relevante Sammlungen durch testamentarische Verfügung an ein Museum gehen. Meist verblieben diese aber in Privatbesitz, wo sie nicht wissenschaftlich bearbeitet würden.

Vor allem in China und Brasilien träten derzeit in den wirtschaftlich genutzten Steinbrüchen atemberaubende Funde zutage. "Und diese Schätze erzählen uns immer mehr über die Geschichte der Saurier." Deshalb müssten Forscher nach neuen Funden auch sehr oft ihre bisherigen Vorstellungen korrigieren und andere Modelle anfertigen. "Da wird dann ein elf Meter langer Saurier schnell mal um drei Meter gekürzt", meinte Frey.

Nur ein geringer Teil der Käufe wird nach Ansicht Freys über das Internet abgewickelt. "Da werden unter anderem tausende Fischfossilien aus dem Libanon angeboten, in den meisten Fällen ist es aber minderwertiges Material." Oft fehlten die genauen Funddaten.

Der Karlsruher kann die stete Begeisterung für die Hunderte von Millionen Jahre alten Knochengerüste nachvollziehen. "Bei Drachenbüchern sind Kinder hinterher enttäuscht, weil es die Fabelwesen eigentlich nie gegeben hat", erklärt er. "Bei Sauriern gibt es dagegen ein ganz anderes Kribbelgefühl, weil diese Tiere tatsächlich existierten."

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