Forschung
Unterirdisches Sprudelwasser

Die Menschheit produziert mehr Kohlendioxid, als die Erde auf Dauer verkraften kann. Längst wird deshalb diskutiert, ob es nicht möglich ist, das Gas in unterirdischen Speichern einzuschließen.
  • 0

DÜSSELDORF. Die Bundesregierung hat gestern beschlossen, die sogenannte CCS-Technologie ("carbon capture and storage", Kohlendioxid-Abscheidung und Speicherung) mit einem neuen Gesetz voranzutreiben. "Kohlekraftwerke haben nur eine Zukunft, wenn sie weniger schädlich für das Klima werden", erklärte Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD).

Ein internationales Forscherteam hat nun unterirdische Kohlendioxidspeicher untersucht, die bereits vor Millionen von Jahren auf natürlichem Weg entstanden sind. Von den Ergebnissen ihrer Studie berichten sie in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Nature".

Bislang war man der Frage, wie Kohlendioxid sich in unterirdischen Speichern verhält, mit Hilfe von Computermodellen nachgegangen. Einige dieser Modelle sagten voraus, dass das Gas mit Mineralien im Gestein reagieren und dabei gebunden werden würde. Andere Modelle ergaben, dass das Kohlendioxid sich in den unterirdischen Speichern in Wasser lösen könnte - ähnlich wie in Flaschen voller Sprudelwasser.

Die Forscher um Projektleiter Chris Ballentine von der Universität Manchester suchten sich neun natürliche Kohlendioxidspeicher in Nordamerika, China und Europa aus, um die beiden Hypothesen zu überprüfen. "Wir haben die alte Technik der Computersimulation sozusagen auf den Kopf gestellt und natürliche Gasfelder untersucht, die Kohlendioxid schon sehr lange Zeit einschließen", so Stuart Gilfillan von der Universität Edinburgh, der als Hauptautor der Studie geführt wird. Damit konnten die Forscher geologisch große Zeiträume abdecken.

Sie stellten fest, dass der Großteil des Treibhausgases in den unterirdischen Gasfeldern gelöst in Wasser vorlag. Die Reaktion mit Mineralien spielte in sieben von neun Gasfeldern so gut wie gar keine Rolle; in den beiden übrigen Feldern trage sie maximal zu 18 Prozent zum Einschluss von CO2 bei, heißt es in der Studie. Für zukünftige Projekte zur unterirdischen Lagerung von CO2 müsse daher der Fokus auf den Eigenschaften von Kohlendioxid in Wasser liegen.

Ein anderer Versuch, das CO2 aus der Atmosphäre zu holen, ist allerdings gescheitert: Im März brachen Klimaforscher ein umstrittenes Eisendüngungsexperiment im Südatlantik ab. Sie hatten getestet, wie viel CO2 durch verstärkte Algenbildung gebunden wird und zum Meeresboden absinkt. Das Ergebnis: Die entstehenden Algenteppiche wurden von Krebsen gefressen.

Kommentare zu " Forschung: Unterirdisches Sprudelwasser"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%