Forschungsergebniss
Feinstaub schadet Spermien

Kanadische Forscher haben Mäuse an die Hauptverkehrsstrasse einer Industriestadt gesetzt - nach zwei Wochen war ein Großteil des Mäusespermas unbrauchbar. Inwieweit die Daten auf den Menschen übertragbar sind, ist idnes noch unklar.

anh. DÜSSELDORF. Luftverschmutzung führt zu Mutationen bei Spermien. Das haben jetzt erstmals kanadische Forscher an Mäusen nachgewiesen. Das Team um Carole Yauk, Wissenschaftlerin im Dienst des kanadischen Gesundheitsministeriums, liefert damit einen weiteren Hinweis dafür, dass Feinstaub und Schadstoffe in der Luft sich auf die Fruchtbarkeit von Männern auswirken könnten.

Große medizinische Untersuchungen hatten bereits Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Luftqualität und sinkender Fruchtbarkeit von Männern geliefert. Allerdings ließen sich die Ergebnisse auch durch andere Faktoren wie Lebensumstände oder genetische Vorbelastungen erklären. Dem definitiven Nachweis nähern sich Forscher erst Schritt für Schritt.

In Versuchen an Mäusen hatten kanadische Forscher bereits herausgefunden, dass Luftverschmutzung zu mehr Mutationen bei Jungtieren führt und größtenteils vom Vater vererbt waren. Dass diese Gen-Schäden in den Spermien der Väter entstehen, legt jetzt die Untersuchung Yauks nahe, die in der Zeitschrift „Proceedings“ der amerikanischen Wissenschaftsakademie (PNAS) veröffentlicht wurde.

Die Kanadier gönnten ihren Labormäusen für das Experiment einen Ausflug in die Industriestadt Hamilton. Dort setzten sie die Tiere in Behältern mehrere Wochen der verschmutzten, feinstaubhaltigen Luft in der Nähe zweier Stahlwerke und einer Hauptverkehrsstraße aus. Eine Kontrollgruppe von Mäusen atmete dieselbe Luft, die aber über Filter gereinigt wurde.

Nach 16 Wochen wies das Erbgut (DNS) der Spermien der Mäuse in der Feinstaub-Luft verschiedene Schäden auf. Sie hatten 60 Prozent mehr Mutationen als die Kontrollgruppe, ihre DNS wies Brüche in der Strickleiterstruktur auf und war hypermethylisiert: An die DNS waren deutlich mehr Methylgruppen angelagert als gewöhnlich. Diese einfachen chemischen Moleküle aus Kohlenstoff und Wasserstoff beeinflussen, ob ein Gen abgelesen wird oder nicht, was letztlich die Ursache für Erkrankungen sein kann. Inwieweit die Daten auf den Menschen übertragbar sind, ist indes noch genauso unklar wie der Mechanismus, mit dem schädliche Substanzen in der eingeatmeten Luft die Spermien schädigen, denn der Feinstaub bleibt ja in der Lunge hängen. Die Forscher spekulieren, dass an Schmutzpartikel gebundene Metallverbindungen chemisch aggressivere Formen des Sauerstoffs entstehen lassen, die über das Blut bis in den Hoden gelangen und dort die Schäden verursachen. anh

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