Forschungsstandort Deutschland
Zurück zu alter Größe?

Zwei deutschen Wissenschaftlern wurde in diesem Jahr ein naturwissenschaftlicher Nobelpreis zuerkannt. Der Physiker Peter Grünberg und der Chemiker Gerhard Ertl beweisen auch einer breiteren Öffentlichkeit, was deutsche Naturwissenschaftler ohnehin wissen: Um den Forschungsstandort Deutschland ist es nicht ganz so schlecht bestellt, wie gerne behauptet wird.

DÜSSELDORF. „Ich habe hier nie Probleme gehabt. Ich kann auch nicht verstehen, was alles so gejammert wird über mangelndes Geld“, sagte Ertl unmittelbar nach der Bekanntgabe seines Preises. Deutschen Forschern gehe es finanziell vielfach besser als ihren Kollegen in den USA.

Ertl bekam die Auszeichnung für „seine Studien über chemische Prozesse auf festen Oberflächen“. Das klingt unspektakulär, doch für die chemische Industrie war und ist seine Arbeit hoch bedeutsam. Es geht letztlich darum, was mit Gas-Molekülen passiert, die auf feste Flächen stoßen. Interessant sind die Fälle, in denen sie nicht einfach zurückprallen, sondern aufgenommen werden. Ertls Arbeit hilft beim Verständnis so unterschiedlicher Vorgänge wie dem Rosten von Eisen, dem Funktionieren von Brennstoffzellen und der Wirkung eines Abgas-Katalysators im Auto. Oberflächenchemische Katalysatoren (Stoffe, die die Reaktionsgeschwindigkeit einer chemischen Reaktion beeinflussen, ohne dabei selbst verbraucht zu werden) sind in vielen industriellen Verfahren ausschlaggebend.

„Oberflächenchemie kann sogar die Zerstörung der Ozonschicht erklären, da wesentliche Schritte der Reaktion auf den Oberflächen kleiner Eiskristalle in der Stratosphäre stattfinden“, erklärte das Nobelpreiskomitee in seiner Begründung. Ertl habe die Grundlagen für die moderne Oberflächenchemie geschaffen.

Der Chemiker, der die gute Nachricht an seinem 71. Geburtstag erhielt, war von 1986 bis 2004 Direktor des Fritz Haber Instituts für physikalische Chemie der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin. Zuvor lehrte er unter anderem auch an mehreren amerikanischen Universitäten. Im Gegensatz zu Grünberg, der seinen Physik-Preis mit dem Franzosen Albert Fert teilt, bekam Ertl den Nobelpreis für Chemie mit dem Preisgeld von 1,1 Millionen Euro allein zuerkannt.

Immer häufiger zeichnet das Nobel-Komitee bis zu drei Forscher gemeinsam aus, die gleichermaßen an der betreffenden Entdeckung beteiligt waren. Den Medizin-Nobelpreis teilten sich in diesem Jahr drei Stammzellforscher aus Italien, Großbritannien und den USA.

Die Nobelpreise werden meist für Leistungen vergeben, die schon einige Jahre zurückliegen, und gelten daher als Auszeichnung für ein Lebenswerk. Grünberg und Fert entdeckten den „GMR-Effekt“ (Engl. giant magnetoresistance, zu Deutsch „Riesenmagnetwiderstand“) schon 1988. Dieser quantenmechanische Effekt erlaubt die Steuerung des elektrischen Widerstands einer Struktur durch die Veränderung des Magnetfeldes. Ihre Entdeckung steigert die Leistungsfähigkeit von Computer-Festplatten. Die Leistungen der beiden Forscher seien „eine Grundvoraussetzung für die moderne IT-Revolution“, sagte Boerje Johansson vom Nobelkomitee.

Allerdings ist diese Technik mittlerweile schon wieder ein Auslaufmodell. Neuere Speichermedien wie etwa MP3-Player funktionieren heute mit sogenannten Flash-Speichern, die viel weniger Platz erfordern als die rotierende Metallscheibe eines Festplattenlaufwerks.

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