Forschungsstandort Indien
Schlagader der Globalisierung

Die Hosur Road ist eine typisch indische Rumpelstraße. Doch dieses löchrige Asphaltband im Herzen Bangalores ist eine Schlagader der Globalisierung. An ihr haben sich Firmen wie Siemens, Hewlett Packard und Infosys niedergelassen.

BANGALORE. Hosur Road: Chronisch verstopft von Kleinwagen, Autorikschas und Klapperbussen und vernebelt von einer ätzenden Abgaswolke. Doch dieses löchrige Asphaltband im Herzen Bangalores ist eine Schlagader der Globalisierung. An ihr haben sich Firmen wie Siemens, Hewlett Packard und Infosys niedergelassen. Per Datenkabel liefern sie das Wissen zehntausender Ingenieure in die ganze Welt.

Jeder zweite Dienstleistungsarbeitsplatz, der aus Industriestaaten in Niedriglohnländer abwandert, landet heute in Indien. Doch längst fluten nicht nur Call-Center-Jobs oder simple Codierarbeiten ins Land. Der Offshoring-Trend erfasst auch komplexe Forschungs- und Entwicklungsaufgaben – und deutsche Firmen schwimmen ganz vorne mit.

So hat an der Hosur Road die Robert Bosch GmbH ein Entwicklungszentrum errichtet, ihr größtes außerhalb Deutschlands. In einem mit grauem Granit verkleideten Gebäudekomplex arbeitet der schwäbische Autozulieferer etwa an Navigationssystemen und Motorsteuerungen. In den Autos, die vor der Tür vorbeirumpeln, hat diese moderne Technik zwar noch nicht Einzug gehalten. Dennoch ist das deutsche Unternehmen auf den Forschungsstandort Indien angewiesen: „Der internationale Wettbewerb lässt Bosch keine Alternative“, sagt Walter Grote, der das Zentrum leitet. „Arbeit wird dort gemacht, wo sie weltweit am besten und am günstigen ist.“ Ein indischer Ingenieur verdient etwa ein Viertel so viel wie ein deutscher.

Doch es ist nicht allein der Kostenvorteil, der Bosch auf den Subkontinent zieht: Die Firma begann vor ein paar Jahren, ihre 1992 gegründete Entwicklungsabteilung in Bangalore stark auszubauen – vor allem, weil sie in Deutschland nicht genug qualifiziertes Personal fand. „Unser starkes Wachstum im Dieselbereich war nur mit Hilfe indischer Ingenieure abzufangen“, sagt Grote. 2005 hat der Konzern die Zahl seiner Entwickler in Bangalore um 1 000 auf 2 900 erhöht. Ein gerade bezogener Neubau ist bereits voll. Ein weiteres Gebäude ist geplant, ein zweiter Standort angedacht. Denn Grote geht davon aus, auch in den kommenden Jahren jeweils um etwa 1 000 Mitarbeiter zu wachsen. Nachwuchssorgen hat Bosch nicht. In Indien gibt es jedes Jahr fast 300 000 Ingenieurabsolventen – viermal mehr als in den USA. Um Sprachbarrieren zu mindern, hat Grote zudem fünf Deutschlehrer angestellt, die Mitarbeiter schulen.

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