Fortpflanzung
Jungfräuliche Empfängnis bei Waranen

Pünktlich zu Weihnachten berichten Phillip C. Watts und seine Kollegen von der Universität Liverpool in der Zeitschrift "Nature" über eine jungfräuliche Empfängnis. Flora, ein Komodo-Waran-Weibchen im Zoo der britischen Stadt Chester hat - ohne Kontakt mit anderen Tieren - elf Eier gelegt, in acht davon wachsen Warane heran. Ein seltenes Phänomen bei Wirbeltieren.

fk DÜSSELDORF. Parthenogenese, die geschlechtslose Fortpflanzung, ist sehr selten bei Wirbeltier-Arten. Watts und Kollegen haben mit genetischen Fingerabdrücken belegt, dass die Eier von Flora und einem anderen weiblichen "Varanus komodoensis" aus dem Londoner Zoo ohne Kontakt mit Artgenossen zu Stande kamen. Die Mütter sind also gleichzeitig auch Väter ihres Nachwuchses. Allerdings sind diese keine Klone ihrer Mutter, doch der genetische Aufbau der Embryos stimmt mit ihrem überein. Drei der elf Eier von Flora zerbrachen in einem frühen Stadium der Bebrütung und lieferten somit embryonische Zellen für die DNA-Tests.

Das im Londoner Zoo gehaltene zweite Muttertier Sungai legte vier Eier mit überlebensfähigem Nachwuchs, nachdem sie für länger als zwei Jahre keinen Kontakt mit männlichen Artgenossen hatte. Danach hat sie zusätzlich auf sexuellem Wege Nachwuchs produziert.

Diese reproduktive Anpassungsfähigkeit lässt vermuten, dass Komodo-Warane von geschlechtlicher auf ungeschlechtliche Fortpflanzung und umgekehrt wechseln können, abhängig von der Verfügbarkeit eines Geschlechtspartners.

"Diese Entdeckung ist sehr wichtig, um zu verstehen, wie Reptilien möglicherweise neue Gebiete kolonisieren. Ein weiblicher Waran könnte theoretisch auf eine Insel schwimmen und dort eine völlig neue Population gründen. Die Genetik der Selbstbefruchtung der Echsen würde bedeuten, dass alle ihre Jungen männlich sind. Diese würden aufwachsen, um ihre eigene Mutter zu befruchten. Daher könnte es nach einer Generation eine Population auf der Insel geben, die sich normal reproduzieren könnte", sagt Ko-Autor Kevin R. Buley vom Zoo in Chester.

Die Erkenntnis ist auch von Bedeutung für die Erhaltung der bedrohten Art in der Gefangenschaft. Die meisten Zoos haben nur weibliche Tiere, während die männlichen für die Befruchtung von Zoo zu Zoo weitergereicht werden. Vielleicht ist es besser, die Tiere zusammenzuhalten, um Parthenogenese nicht zu fördern. Denn diese führt zu einer Abnahme der genetischen Vielfalt, die für den Erhalt der Art wichtig ist.

Komodo-Warane sind die größten lebenden Echsen der Welt. Sie werden bis zu drei Metern lang und können - voll gefressen - bis zu 135 Kilogramm schwer werden. Trotz der Größe sind sie gute Kletterer und können sich an Land und im Wasser schnell fortbewegen.

Sie ernähren sich auch von Aas, schlagen aber oft lebende Beute, kleine Reptilien, Vögel und Säugetiere, auch große wie Hirsche, Wildschweine oder Pferde, die das Gewicht der Warane um ein Vielfaches übersteigen.

Seine Jagdmethode ist nicht mit der von Fleisch fressenden Säugetieren vergleichbar: Da der zähflüssige Speichel des Komodo-Warans giftig ist, wird die Wunde des Opfers gleichzeitig infiziert. Er verfolgt meist das Opfer, bis es an der Vergiftung zu Grunde geht, was nach wenigen Tagen der Fall ist. Oft fressen sie auch die Jungtiere der eigenen Art - und selten Menschen.

Komodo-Warane, auch "Komodo-Drachen" genannt, haben einen äußerst unangenehmen Eigengeruch, der auf faulende Aasreste in ihrem Maul zurückgeführt wird. Die Drachen leben nur auf einigen zu Indonesien gehörenden Inseln (Komodo, Rinca, Gili Motang und Flores). Zum Schutz der Art wurde 1980 der Komodo-Nationalpark gegründet.

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