Fortpflanzung
Tiefsee-Kalmare probieren bei jedem ihr Glück

Sex im Dunkeln: Tiefsee-Kalmare haben eine ganz eigene Fortpflanzungstechnik entwickelt. In den lichtlosen Tiefen der Meere begatten sie jeden Artgenossen, der vorbeischwimmt – egal, ob Weibchen oder Männchen.
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HeidelbergIn den dunklen Weiten des tiefen Ozeans einen geeigneten Paarungspartner zu finden, stellt auch Tintenfische vor größere Probleme. Trotz hoch entwickelter Augen, spezieller Leuchtorgane und Farbmuster treffen die Einzelgänger wohl nur selten auf einen Artgenossen. Daher nutzen sie offenbar jede Gelegenheit – und übergeben ihr Spermienpaket Männchen wie Weibchen gleichermaßen.

Bislang ist über die Fortpflanzung von Tiefsee-Kalmaren wie Octopoteuthis deletron wenig bekannt: Es gibt nur eine direkte Beobachtung aus dem Jahr 1996. Angeschwemmte oder von Fischern gefangene Tiere ließen aber bereits vermuten, dass sie ein anderes Paarungsverhalten zeigen als ihre oberflächennah lebenden Verwandten.

Denn immer wieder wurden hier auch auf männlichen Tieren Spermatophoren gefunden – Samenpakete, die normalerweise die Eier der Weibchen befruchten sollen. Es blieb jedoch unklar, ob sie vielleicht von den gefundenen Tieren selbst stammten oder in Stresssituationen wie im Fangnetz fälschlich dort platziert wurden.

Forschern um Henk-Jan Hoving vom Monterey Bay Aquarium Research Institute gelang es nun aber in jahrelanger Arbeit, mit Hilfe von ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugen über 100 O. deletron in ihrem normalen Lebensraum in 400 bis 800 Meter Tiefe zu filmen. Bei 29 Tieren entdeckten sie Samenpakete auf Rücken- und Bauchseite – auch an Stellen, die für die Kalmare selbst unerreichbar waren. Ein Männchen musste sie also dort angeheftet haben. Erstaunt stellten die Forscher fest, dass 20 der Spermatophoren-Beglückten selbst Männchen waren.

Diese hohe Quote von Paarungsversuchen mit dem falschen Geschlecht führen die Wissenschaftler auf die schwierige Partnersuche zurück. Zudem produziert ein O.-deletron-Männchen über 1600 Spermatophoren – da schlagen solche Fehlschläge nicht groß zu Buche.

Dagegen wäre es wesentlich aufwändiger, in eine sichere Partnerfindung zu investieren: Dazu müssten die Männchen Mechanismen entwickeln, mit denen sie Weibchen gezielt erkennen. Hinzu kämen noch ein aufwändiges Balzritual und vor allem das Risiko, wegen Fehleinschätzungen gar keine Samenpakete an die Frau zu bringen. Angesichts der kurzen Zeit, die einem Kalmarmann vor dem Tod zur Fortpflanzung gegönnt bleibt, wäre das für ihn viel zu teuer. 

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