Franklins verschollene Expedition
Spurensuche unter meterdickem Arktis-Eis

Das Scheitern der Franklin-Expedition von 1845 gilt als größte Tragödie der Polarforschung. Im vergangenen Jahr entdeckten Forscher eines der verschollenen Schiffe am Meeresboden – jetzt läuft die Spurensuche an.
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OttawaTaucher der Nationalparkbehörde und der Marine Kanadas wollen im April in der Nordwest-Passage wieder zum Wrack eines im vergangenen Jahr gefundenen Schiffs der Franklin-Expedition tauchen. Die Nordwest-Passage in der kanadischen Arktis wird dann noch eisbedeckt sein: Die Tauchgänge zur „Erebus“ werden unter einer zwei Meter dicken Eisschicht stattfinden.

Um zu dem Wrack der „Erebus“ zu kommen, muss in die Eisdecke ein Loch gebohrt werden. Im März und April erreicht die Meereisfläche ihre größte Ausdehnung und reicht weit in die Nordwest-Passage hinein, den Seeweg durch die Inselwelt der kanadischen Arktis.

Das Schiff liegt in elf Meter Tiefe auf dem Meeresboden im Queen-Maud-Golf in der Nähe der King-William-Insel. Wie Marc-Andre Bernier, Leiter der Abteilung Unterwasserarchäologie der Nationalparkbehörde Parks Canada erläuterte, dient die solide Eisdecke als „stabile Plattform“, von der aus die Tauchgänge vorgenommen werden können.

Im vergangenen Jahr beeinträchtigten Stürme und raue See zunächst die Suche nach dem Schiff und dann die ersten Tauchgänge nach der Entdeckung des Wracks. Dem wollen die Wissenschaftler jetzt entgehen, indem sie noch während der Zeit der Eisbedeckung forschen. Eisbedecktes Wasser ist ruhiger.

Auf dem Eis wird ein Camp aufgebaut und die technische Ausrüstung wird dort gelagert. Dies erhöht nach Angaben Berniers auch die Sicherheit für die Taucher: Sie werden bei den Tauchgängen durch einen Versorgungsschlauch Sauerstoff bekommen und ständig mit dem Team auf dem Eis verbunden sein.

Der britische Seefahrer und Forscher Sir John Franklin hatte im Mai 1845 mit den Schiffen „Erebus“ und „Terror“ und 130 Mann Besatzung England verlassen, um die Nordwest-Passage durch die kanadische Inselwelt der Arktis zu finden, die den Seeweg von Europa nach Asien verkürzen würde. Aber die Schiffe blieben im Eis stecken und die Besatzung musste dreimal im arktischen Eis überwintern.

Franklin starb am 11. Juni 1847, zuvor waren bereits 23 Besatzungsmitglieder gestorben. Zu Fuß versuchten die Überlebenden schließlich, einen Posten der Handelsgesellschaft Hudson Bay Company im Süden zu erreichen, aber sie kamen nie an. Von Franklins Schicksal erfuhr die Welt erst Jahre später, als Suchmannschaften auf der King-William-Insel eine schriftliche Botschaft entdeckten, die von Mitgliedern der Expedition vor dem Aufbruch zu ihrem Todesmarsch unter einem Steinhaufen verborgen worden war.

Auch die Schiffe der Expedition blieben lange Zeit verschollen. Erst im September vergangenen Jahres wurde die „Erebus“ entdeckt, nachdem fünf Suchexpeditionen seit 2008 vergeblich nach ihr gesucht hatten.

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