Forschung + Innovation
Frauenärzte fordern neues Fortpflanzungsmedizingesetz

Angesichts wachsender Kinderlosigkeit in Deutschland müssen die Behandlungsmöglichkeiten für Paare mit Kinderwunsch nach Ansicht von Ärzten verbessert werden.

dpa BERLIN. Angesichts wachsender Kinderlosigkeit in Deutschland müssen die Behandlungsmöglichkeiten für Paare mit Kinderwunsch nach Ansicht von Ärzten verbessert werden.

„Das heutige Embryonenschutzgesetz ist von 1991. Es muss endlich dem medizinischen Fortschritt angepasst werden“, forderte Prof. Klaus Diedrich (Lübeck), Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, in einem dpa-Gespräch. Eine Expertengruppe aus Medizinern, Juristen, Psychologen und Ethikern legte dazu am Dienstag in Berlin ein Positionspapier vor.

2002 seien mehr als 20 000 Kinder nach so genannter assistierter Reproduktion zur Welt gekommen. Das seit Januar 2004 geltende Gesundheitsmodernisierungsgesetz habe diese Zahl halbiert. „Seitdem müssen die Eltern die Hälfte der Behandlungs- und Medikamentenkosten selber tragen. Das sind 1 500 bis 1 800 Euro monatlich“, kritisiert Diedrich.

Außerdem sei die In-Vitro-Fertilisation in Deutschland nicht mehr auf dem neuesten Stand. „Wir müssen Frauen derzeit alle drei befruchteten Eizellen einpflanzen - auch wenn abzusehen ist, dass daraus keine erfolgreiche Schwangerschaft wird.“ Erfolg versprechender sei es, vorher mehr als drei Eizellen zu befruchten und davon nur den sich am besten entwickelnden Embryo einzupflanzen. „Das verhindert auch komplizierte Mehrlingsschwangerschaften, bei denen die Gefahr besteht, das ein Fetus sich nicht entwickelt, abgetrieben werden muss oder alle Kinder viel zu früh geboren werden.“

Zentrale Punkte des Positionspapiers für ein neues Fortpflanzungsgesetz seien deshalb die Verbesserung der Schwangerschaftsquote und Verminderung der Mehrlingsrate. Außerdem solle die Möglichkeit zur Kryokonservierung der Embryonen und zur Untersuchung des Polkörpers der unbefruchteten Eizelle zugelassen werden. Eine Aufsichtsbehörde müsse das Verfahren überwachen. Auch die Möglichkeit zur Präimplantationsdiagnostik ist im Entwurf vorgesehen - allerdings nur unter sehr strengen Auflagen.

Für Diedrich ist eine Anpassung des Gesetzes überfällig: „Bereits jetzt entwickelt sich ein Fortpflanzungsmedizintourismus, der beschämend ist für ein hochzivilisiertes Land wie Deutschland.“

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