Früherkennung
Ärzte warnen vor Prostatakrebs-Tests

Bei Krebs ist es wichtig, dass die Erkrankung so früh wie möglich diagnostiziert wird. Die Möglichkeiten, die Urologen bislang zur Erkennung von Prostatakrebs haben, sind mit Blut- und Gewebeproben verbunden. Nun kommen Urintests auf den Markt – die sind jedoch nicht nur teuer, Experten bezweifeln sogar deren Aussagekraft.

BERLIN. Prostatakrebs ist die häufigste Tumorerkrankung bei Männern. Wird das bösartige Krebsgeschwür frühzeitig gefunden, kann es meist gut behandelt werden. Bislang ist jedoch eine Früherkennung des Tumors – der vor allem bei älteren Männern auftritt – nur schwer möglich. Die Tastuntersuchung durch den Urologen ist zu ungenau und der so genannte PSA-Test zur Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut zu unspezifisch. Abhilfe versprechen neuere Harntests, die in Europa und in den USA entwickelt wurden. Sie versprechen eine Diagnose des Tumors bereits im Frühstadium und sogar ohne operative Entnahme einer Gewebeprobe. Urologen sind jedoch skeptisch und warnen vor zu großen Hoffnungen.

Die neuen Tests setzen auf so genannte Biomarker, die ein Prostatakarzinom anzeigen, bevor es Beschwerden verursacht. Das „Diapat“ genannte Analyseverfahren der in Hannover ansässigen Firma Mosaique Diagnostics beispielsweise erkennt anhand eines charakteristischen Eiweißmusters im Urin des Patienten, ob ein Prostatakarzinom vorliegt. Dazu vereinzeln die Forscher die im Prostatasekret vorhandenen Eiweiße und untersuchen sie im Massenspektrometer. Das Eiweißmuster des Patienten wird anschließend mit denen aus einer Datenbank abgeglichen, daraus lassen sich Rückschlüsse auf die Wahrscheinlichkeit ziehen, dass ein Prostatakrebs vorliegt.

In einigen Urologie-Praxen kommt das Verfahren bereits zum Einsatz. Bislang müssen die meisten Patienten jedoch die mehrere Hundert Euro für den teuren Test selbst bezahlen. Nur einige private Krankenkassen übernehmen Kosten. „Wir wollen den PSA-Test nicht ersetzen, sondern mit zusätzlichen Informationen präzisieren“, sagt Harald Mischak, Geschäftsführer des Diapat-Labors in Hannover.

Der neue Test eigne sich besonders gut für Patienten, bei denen ein erhöhter PSA-Wert den Verdacht auf Prostatakrebs nahe lege, dieser jedoch in einer ersten Gewebeprobe (Biopsie) nicht bestätigt werden konnte, sagt der Münchner Urologe Hartwig Bauer. Das Problem: Eine negative Biopsie kann die Krebserkrankung nicht zuverlässig ausschließen, da der Arzt dabei am Tumorherd vorbeistechen kann. „Viele Patienten machen dann einen regelrechten Biopsie-Marathon mit“, sagt Bauer. Wenn der Diapat-Test den negativen Befund bestätige, könne man mit weiteren Biopsien zurückhaltender sein, sagt der Mediziner, der an der klinischen Prüfung des Tests beteiligt war.

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