Früherkennung
Forscher verbessern die Alzheimer-Diagnose

Eines der Probleme bei der Alzheimer-Krankheit war bisher, dass diese sich im Frühstadium kaum von normaler Altersvergesslichkeit unterscheidet. Molekulare Techniken und Tomografen machen die Krankheit nun Jahre vor ihrem Ausbruch sichtbar. Eine wichtige Entwicklung, denn frühzeitige Therapie verzögert den Verlauf.

BERLIN. Über eine halbe Millionen Deutsche leiden an Alzheimer. Noch viel mehr haben die Krankheit zwar bereits, wissen aber noch nichts davon. Denn schon viele Jahre bevor die Demenzerkrankung ausbricht, beginnt die Zerstörung der Nervenzellen im Gehirn. Da das Gehirn die Verluste über lange Zeit relativ gut kompensieren kann, ist Alzheimer im frühen Stadium nur schwer von einer normalen Altersvergesslichkeit zu unterscheiden. Das ändert sich nun. Laboruntersuchungen und neue bildgebende Verfahren ermöglichen eine immer frühere und zuverlässigere Diagnose der Alzheimer-Demenz.

„Mit einer Liquor-Untersuchung lassen sich inzwischen molekulare Veränderungen vier bis sechs Jahre vor dem Ausbruch der ersten klinischen Symptome feststellen“, sagt Jens Wiltfang, Direktor der psychiatrischen Klinik der Universität Duisburg-Essen. Bereits beim Auftreten leichter Gedächtnisstörungen ließe sich das Erkrankungsrisiko relativ gut abschätzen.

Bei dem Testverfahren wird aus dem Rückenmark des Patienten Nervenwasser entnommen, das in direkter Verbindung mit dem Gehirn steht. Dort entstehen schon viele Jahre vor Krankheitsbeginn die für die Krankheit typischen Amyloid-Plaques, Ablagerungen eines Beta-Amyloid genannten Protein-Fragments. Aus den Konzentrationen der beteiligten Proteine und weiterer Biomarker können die Mediziner herauslesen, ob die leichte Gedächtnisstörung eines Patienten Vorbote einer Alzheimer-Demenz ist. Nachdem das Verfahren seine Aussagekraft bei der Vorhersage von Alzheimer in mehreren klinischen Studien unter Beweis gestellt habe, werde es nun in die diagnostischen Leitlinien aufgenommen, sagt Wiltfang.

Die Testmethode könnte jedoch schon in wenigen Jahren von einfacheren Bluttests abgelöst werden, ist der Experte überzeugt. Die belgische Biotech-Firma Innogenetics hat sogar schon den ersten Alzheimer-Bluttest auf den Markt gebracht. Deutsche und schwedische Forscher, unter ihnen auch Wiltfang, haben den Test in einer Studie an mehr als 500 Patienten untersucht – mit viel versprechenden Ergebnissen. „Die Ergebnisse des Bluttests entsprachen denjenigen im Gehirnwasser“, sagt Wiltfang. Allerdings eigne er sich noch nicht für den klinischen Einsatz. Das Problem: Mit dem Test von Innogenetics lässt sich bislang nur die Konzentration verschiedener Varianten des Beta-Amyloid-Proteins ermitteln – das sei nicht genug für eine stichhaltige Diagnose. Wiltfang geht jedoch davon aus, dass der Test in den kommenden Jahren um weitere Biomarker ergänzt wird und so an Aussagekraft gewinnt. Bis dahin könnten weitere Bluttests auf den Markt kommen. Viele Unternehmen und Forschergruppen suchen derzeit intensiv nach geeigneten Biomarkern und Möglichkeiten für Gentests.

Selbst umfangreiche Biomarker-Tests können aber nach Meinung der Experten nur der erste Schritt zu einer sicheren Alzheimer-Früherkennung sein. „Patienten, bei denen ein Verdacht auf Alzheimer besteht, sollten dann im zweiten Schritt mit bildgebenden Verfahren genauer untersucht werden“, sagt Wiltfang. Denn während die Biomarkern mit hoher Empfindlichkeit alle Verdachtsfälle erfassen, können bildgebenden Verfahren mit hoher Genauigkeit Alzheimer von anderen Demenzen unterscheiden.

Seite 1:

Forscher verbessern die Alzheimer-Diagnose

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%