Frühsommer-Meningoenzephalitis
Immer mehr Zecken-Risikogebiete in Deutschland

Fast der gesamte Süden Deutschlands gilt künftig als Risikogebiet für die von Zecken übertragene Hirnhautentzündung. Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) hat nach Daten des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) im vergangenen Jahr mit 546 Fällen den höchsten Stand seit Beginn der Meldepflicht erreicht.

dpa BERLIN. Insgesamt hat das Institut 33 Landkreise neu als Risikogebiete für die Virusinfektion ausgewiesen. Grundlage ist allerdings nicht nur die gestiegene Fallzahl, sondern eine neue Bewertungsmethode, die unter anderem Werte benachbarter Kreise einbezieht. Nach RKI-Analyse sind in den Risikogebieten noch immer zu wenig Menschen gegen Fsme geimpft, wie das Institut in seinem jüngsten Bulletin betont.

Mit der neuen Methode zählt das RKI nun fast alle Landkreise in Bayern und Baden-Württemberg zu Fsme-Risikogebieten - das sind rund 25 Kreise mehr als bisher. Ausnahmen sind Ballungsräume um Großstädte wie München, Augsburg und Ulm. Im südlichen Thüringen kamen die Stadtkreise Jena und Gera sowie die Landkreise Saalfeld-Rudolstadt und Sonneberg neu zu den bestehenden Risikogebieten hinzu. In Hessen wurden drei neue Risikogebiete ausgewiesen, der Main-Kinzig-Kreis, der Landkreis Groß Gerau sowie der Stadtkreis Darmstadt. Insgesamt umfassen die Fsme-Risikoregionen nun 129 Landkreise.

Die im Volksmund auch Holzbock genannten Zecken können verschiedene Krankheiten übertragen, am häufigsten ist mit geschätzten 60 000 bis 80 000 Fällen pro Jahr die so genannte Borreliose. Diese von Bakterien ausgelöste Erkrankung ist nicht meldepflichtig und bundesweit verbreitet. Eine Impfung existiert nicht, die Borreliose, die sich oft durch einen roten Hof um die Einstichstelle bemerkbar macht, ist aber im Frühstadium gut mit Antibiotika zu behandeln. Gegen die Fsme-Viren, die nur in bestimmten Risikoregionen vorkommen, gibt es eine Impfung. Die Infektion geht mit grippeähnliche Symptomen und Fieber einher.

Im Jahr 2006 wurden in Deutschland fast doppelt so viele Fsme- Fälle registriert wie 2004 und 114 mehr als 2005. Als Gründe für die steigenden Zahlen vermutet das Robert Koch-Institut mehr Freizeitaktivitäten im Freien, aber auch ein erhöhtes Bewusstsein bei Ärzten. Mit wärmeren Wintern und längeren Sommern gibt es darüber hinaus günstigere Klimaverhältnisse für Zecken. Stärker vermehrt haben sich auch Nagetiere wie Mäuse, die wichtige Wirte für Zecken sind. Von einer schnell wachsenden Verbreitung der Zecken geht das Institut im Moment noch nicht aus, wie es im Bulletin berichtet.

Die steigenden Fallzahlen würden vorrangig aus bekannten Risikogebieten gemeldet, heißt es darin. 511 Mal wurden Patienten von Zecken in Deutschland gestochen, darunter 269 Mal in Baden- Württemberg und 182 Mal in Bayern. Weit weniger Fälle gab es in Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen. Vereinzelt kamen Meldungen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Nicht betroffen sind bisher Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Berlin, Nordrhein-Westfalen und das Saarland. (Internet: www.rki.de)

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