Für Amerika geht es beim morgigen Spaceshuttle-Start ums Prestige – für die Nasa um alles
Himmelfahrtskommando, nächster Teil

Am Mittwoch soll der Spaceshuttle „Discovery“ vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida ins All abheben. Auf dem Spiel stehen nicht nur sieben Menschenleben und das nationale Prestige. Es geht um die gesamte Zukunft des bemannten Raumfahrtprogramms der USA.

Der Countdown läuft. „32 Stunden, 17 Minuten, 24 Sekunden“ zeigt die schwarze Tafel mit der gelben Leuchtschrift in diesem Moment. Am Mittwoch um 15.51 Uhr Ortszeit soll der Spaceshuttle „Discovery“ vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida ins All abheben: mit sieben Astronauten und 15 Tonnen Fracht an Bord für die Internationale Raumstation ISS. Und mit den besten Wünschen einer ganzen Nation.

Blickte Amerika einst voller Stolz auf die Starts seiner Spaceshuttles, ist seit dem 1. Februar 2003 alles anders. Damals verglüht die Raumfähre „Columbia“ beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Sieben Astronauten sterben den Heldentod, das ganze Land trauert.

Nun drückt es der Crew von Flug STS-114 die Daumen: Commander Eileen Collins, Wendy Lawrence, James Kelly, Stephen Robinson, Andrew Thomas, Charles J. Camarda und dem Japaner Soichi Noguchi.

Allein die Astronauten in ihren blauen Anzügen scheinen seltsam entspannt. Sie posieren vor den TV-Kameras und verbreiten Optimismus. Als wolle Noguchi den Albtraum ganz allein verscheuchen, reckt er die Fäuste nach oben und ruft: „Lasst uns fliegen!“ James Kelly lächelt der Nation zu: „Wir zünden eine Kerze an und kehren ins All zurück.“ Und Lani McCool, deren Mann bei der Columbia-Katastrophe ums Leben kam, übergibt ihren Ehering der „Discovery“-Besatzung als Talisman: „Hope“ ist darauf eingraviert – Hoffnung. Amerika hofft, dass diesmal alles gut gehen wird.

Auf dem Spiel stehen nicht nur sieben Menschenleben und das nationale Prestige. Es geht um die gesamte Zukunft des bemannten Raumfahrtprogramms der USA.

100 Milliarden Dollar wird der Aufbau der ISS bis 2010 verschlingen. Nur die Spaceshuttle-Fähren sind mit ihren fast 30 Tonnen Nutzlast geräumig genug, um den Transport größerer Crews und Bauteile auf diesen ersten Außenposten der Menschheit im All zu bringen.

Die ISS ist das Sprungbrett auf dem Weg zur Besiedelung des Mars oder des Mondes. Zurzeit ist die Forschung auf der ISS beinahe zum Stillstand gekommen, da allein für Unterhalt und Reparaturen an der Raumstation, die in 400 Kilometer Höhe mit gut 28 000 Kilometern pro Stunde um den Globus flitzt, zwei Astronauten benötigt werden.

Nicht auszudenken, wenn nach der 1986 explodierten Raumfähre „Challenger“ und der vor gut zwei Jahren zerborstenen „Columbia“ ein weiterer Sternenkreuzer samt Besatzung zu Schaden käme. „Das wäre definitiv das Ende des Spaceshuttle-Programms“, sagen Raumfahrtkenner hinter vorgehaltener Hand. Ersatz wäre nicht in Sicht.

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