Fund in Südafrika
Steinzeitmenschen waren Meister der Klingenherstellung

Sie galt bislang als Erfindung aus Westeuropa: Eine Technik zur Herstellung messerscharfer Steinklingen wurde in Südafrika jedoch schon Zehntausende Jahre früher eingesetzt. Der moderne Mensch besaß vermutlich deutlich früher als bisher angenommen die Fähigkeit, scharfe Steinmesser und Speerspitzen herzustellen. Darauf deuten archäologische Funde aus einer Höhle in Südafrika hin.
  • 0

HB WASHINGTON. ­Steinzeitmenschen konnten vermutlich schon viel früher scharfe Steinmesser und Speerspitzen herstellen als angenommen. Darauf deuten archäologische Funde aus einer Höhle in Südafrika hin. Die Technik, bei der die Kanten der Steine mit Druck kontrolliert bearbeitet werden, entstand demnach bereits vor 75 000 Jahren - rund 55 000 Jahre früher als gedacht. Ein internationales Forscherteam berichtet im Fachmagazin „Science“ (Bd. 330, S. 659) über die Entdeckung.

Bei der Technik des sogenannten Pressure-Flaking wurde auf die Kanten von zunächst roh behauenen Steinstücken mit einem Tierknochen oder einem anderen Werkzeug so stark Druck ausgeübt, dass dünne Steinplättchen absplittern. Auf diese Weise entstanden sehr scharfe Kanten. Einige Steinarten können direkt auf diese Weise bearbeitet werden, andere müssen zuvor erhitzt werden. Bisher nahmen Forscher an, dass die Technik vor rund 20 000 Jahren in Westeuropa entstand.

Die Forscher um Paola Villa und Christopher Henshilwood von der Witwatersrand-Universität in Johannesburg (Südafrika) und der Universität von Colorado in Boulder (USA) untersuchten nun Steinwerkzeuge aus der Höhle Blombos Cave in Südafrika, in der bereits zuvor viele Hinweise auf das Leben und Verhalten der Steinzeitmenschen gefunden worden waren.

Ein Teil der Untersuchung bestand in dem Versuch, aus Steinen der Region selbst entsprechende Werkzeuge herzustellen. Dabei stellten die Forscher fest, dass die Steine erhitzt worden sein mussten, bevor sie ihren endgültigen Schliff erhielten. Bei dem Gestein handele es sich um sogenannte Silcrete. Dies Material könne in seinem natürlichen Zustand zwar grob zurechtgehauen werden, das Ablösen feiner Splitter durch Druck sei aber unmöglich, schreiben die Forscher.

Sie untersuchten dann die Kanten der Steinwerkzeuge mit dem Mikroskop. Dabei entdeckten sie, dass die „Narben“, die nach dem Ablösen der Splitter am Stein zurückbleiben, unterschiedliche Kanten aufweisen. Zum Teil waren sie rau und spröde, was auf eine Bearbeitung des Steins im Rohzustand hinweise. Ein Teil der Narben war aber auch ganz glatt, so wie es für die Bearbeitung der Steine nach vorheriger Erhitzung typisch ist.

Die Werkzeugmacher haben die Steine also gezielt in einem Schritt des Arbeitsprozesses im Feuer erhitzt und dann für den Feinschliff weiterbearbeitet, folgern die Forscher. Die Technik erlaube es den Werkzeugmachern, die Kanten der Steine sehr kontrolliert zu bearbeiten. Auf diese Weise ließen sich sehr viel schärfere und spitzere Werkzeuge herstellen als durch grobes Behauen allein. Spuren an den gefundenen Steinklingen wiesen darauf hin, dass sie zur Jagd eingesetzt wurden.

Kommentare zu " Fund in Südafrika: Steinzeitmenschen waren Meister der Klingenherstellung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%