Funktechnik im Supermarkt
Schlüsseltechnologie mit Startschwierigkeiten

Der Strichcode kommt in die Jahre. Doch fehlende internationale Standards, Sicherheitsbedenken und hohe Produktionskosten für leistungsfähige Chips verzögern den übergreifenden Einsatz der RFID-Funktechnik. Dabei bieten die Funketiketten eine Reihe von Vorteilen.

BERLIN. Mehr und mehr Aufgaben des Strichcodes werden von so genannten RFID-Chips übernommen, die eine Identifizierung über Radiowellen ermöglichen. Die Funketiketten bieten viele Vorteile: Sie können mehr Informationen speichern und diese zudem berührungslos übertragen.

Zu den Pionieren unter den RFID-Anwendern zählen Handelskonzerne. Im Future Store der Metro ersparen die Transponder Testkunden das Anstehen an der Kasse, weil sie die Preise automatisch erfassen. Intelligente Regale erkennen, welche Waren entnommen wurden und melden das ans Warenwirtschaftssystem. Im August startet Konkurrent Rewe einen Test bei dem die Logistik für das Trockensortiment mit winzigen Chips automatisch per Funk beschleunigt wird. Bei Karstadt läuft bereits seit April ein Pilotprojekt.

Die Möglichkeiten für die Anwendung von RFID beschränken sich freilich nicht aufs Einkaufen: Autoverleiher haben dank der Chips den Fuhrpark im Blick, Turnschuhe erfassen die Daten des Läufers. Gar an Bäume werden Etiketten geklebt, um Forstbetrieben die Arbeit zu erleichtern.

Trotzdem steht der Einsatz noch am Anfang – das wurde in dieser Woche während der RFID-Konferenz der EU in Berlin deutlich. Die Experten waren sich einig, dass es sich bei RFID um die Querschnittstechnologie der Zukunft handelt. Doch wann sie breitflächig eingesetzt wird, darauf mochte sich niemand festlegen. In einem Strategiepapier heißt es lediglich, dass die Funketiketten bis mindestens 2010 eine „interne Technik“ bleiben werden, mit der Endverbraucher nichts weiter zu tun haben.

Denen dürfte das bisweilen auch ganz Recht sein – denn der Datenschutz ist bislang kein großes Thema. „90 Prozent der RFID-Anwendungen sind nicht datenschutzrelevant, weil sie bei Schlachtvieh oder in der Produktion eingesetzt werden“, sagt Wolf-Dieter Lukas vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Verbraucherschützer sehen das anders. „Durch diese Technologie kann mit der Verfolgung von Waren vom Hersteller bis zum Kunden problemlos das Verbraucherverhalten erhoben werden“, sagt Cornelia Kutterer von der European Consumer’s Organisation (BEUC). Davor hat unlängst auch Bundesdatenschützer Peter Schaar gewarnt. Eine Lösung wäre, dass Verbraucher die Transponder nach dem Kauf außer Gefecht setzen können – Metro etwa betreibt in seinem Future Store einen „De-Activator“, der die Smart-Chips unbrauchbar macht.

Die Industrie verweist auf gängiges Recht, das unbefugtes Datenfischen unter Strafe stellt – und stellt die Vorteile der Technik für Konsumenten heraus. „RFID sorgt für mehr Verbraucherschutz, unter anderem, weil die Futterkette sicherer wird“, sagt Martin Jetter, CEO von IBM Deutschland. „Wenn Informationen über Futtermittel, Schlachtung, Lagerung, Transport und Veterinärdaten ohne Medienbruch abrufbar werden, kann ein Gammelfleischskandal künftig nicht mehr vorkommen.“ IBM hat solche Überwachungssysteme bereits erprobt. Sie sollen auch bei Containerfracht eingesetzt werden, die als eines der sicherheitsanfälligsten Glieder der Transportkette gilt. „Mit Transpondern lassen sich Informationen über Temperatur, Vibration, Neigung oder Bewegungen der Tür eines Containers gewinnen“, erläutert Jetter. „Die Technologie steht.“

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