Fußball
Neue Schuhtechnik erhöht die Schusskraft bei der Fußball-WM

Mit einer neuen Schuhtechnologie können die Fußballer bei der WM 2006 ihre Schusskraft erhöhen. Darauf hat der Sportmediziner und Orthopäde Markus Walther in München im Vorfeld eines internationalen sportmedizinischen Kongresses hingewiesen.

dpa MüNCHEN. Mit einer neuen Schuhtechnologie können die Fußballer bei der WM 2006 ihre Schusskraft erhöhen. Darauf hat der Sportmediziner und Orthopäde Markus Walther in München im Vorfeld eines internationalen sportmedizinischen Kongresses hingewiesen.

Durch Gewichte in der Zwischensohle werde dabei der Schwerpunkt des Schuhs an die Stelle verlagert, wo der Fuß den Ball treffe. „Wissenschaftlich nachgewiesen ist eine um zirka fünf Prozent höhere Schusskraft.“

Die Gewichte seien zwischen zehn und 40 Gramm schwer. Die neue Technologie sei nach den internationalen Regeln zulässig. Die Entscheidung zur Gewichtseinlage liege bei den Spielern. Ob die deutsche Nationalmannschaft darauf zurückgreifen wird, ließ der Experte offen. „Darüber wird erst nach der Weltmeisterschaft gesprochen.“ Grundsätzlich werde mit den neuen Schuhen aber experimentiert. „Man muss einfach sehen, wie sich das bewährt“, sagte Walther einen Tag vor Beginn des 21. Deutsch-Österreichisch-Schweizer Kongresses für Sportorthopädie und Sporttraumatologie in München (12. bis 14. Mai).

Der Kongress wird von der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (Gots) organisiert. Deren scheidender Präsident Martin Engelhardt wies darauf hin, dass Profi-Fußballer oft unter einem frühen Verschleiß der Hüftgelenke litten. Dies sei in der Öffentlichkeit wenig bekannt und werde von den Fußballvereinen auch nicht gerne thematisiert.

Bei Fußballspielen kommt es zwischen der 31. und 45. Minute sowie zwischen der 76. und 90. Spielminute - also jeweils zum Ende einer Halbzeit - zu den meisten Verletzungen, berichtete der Frankfurter Orthopäde Ingo Tusk unter Berufung auf entsprechende Statistiken. „Das hat auch mit Übermüdung und Konzentrationsmangel zu tun“, sagte Tusk, der Mannschaftsarzt beim Zweitligisten Kickers Offenbach ist und als akkreditierter Fifa-Arzt im Betreuerteam bei der Fußball-WM mitarbeitet. Der Rat des Mediziners, die Spieler sollten in diesen gefährlichen Zeitspannen Zweikämpfen möglichst aus dem Wege gehen, wirkt allerdings realitätsfremd.

Die meisten Fußball-Verletzungen gehen nach den Worten von Tusk auf Körperkontakt zurück, die Hälfte von ihnen werden durch Foulspiel verursacht. Die Beine werden dabei naturgemäß am meisten verletzt - die Oberschenkelverletzung zumeist in Form einer Prellung oder Zerrung stehe mit 23 Prozent vor Verletzungen des Sprunggelenks (17 Prozent) und der Knieverletzung (13 Prozent). Unterschenkel und Leiste folgten mit 14 beziehungsweise elf Prozent, hieß es.

Die Häufigkeit und Schwere von Verletzungen und Überlastungsschäden sei vor allem im Profifußball sehr gut dokumentiert, betonte Tusk. Demnach sind in jeder Profimannschaft etwa vier bis acht schwerwiegende Verletzungen pro Saison zu erwarten. Dies bedeute, dass 20 bis 25 Prozent der Spieler einen Monat pro Saison wegen Verletzungen ausfallen. Die Verletzungsrate sei in den höheren Spielklassen niedriger als in den unteren Spielklassen.

Er sei immer wieder erstaunt, was für „ein gutes Schmerzmittel“ das körpereigene, in Erregungszuständen ausgestoßene Hormon Adrenalin sei, sagte Tusk. „Hochklassige Fußballer sind - vorsichtig ausgedrückt - sehr anspruchsvolle Patienten und sie leiden sehr häufig unter muskulären Verhärtungen und Verspannungen.“ Aber wenn sie dann im Spiel seien und unter der Adrenalin-Wirkung stünden, seien die Schmerzen oft vergessen.

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