Fußball
Torhüter schätzen Freistöße oft falsch ein

Schlechte Nachrichten für Lehmann, Kahn und Co. drei Wochen vor dem Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft: Torhüter können auch bei größter Konzentration nicht zuverlässig voraussehen, ob ein Freistoß ins Tor zielt.

dpa HEIDELBERG. Schlechte Nachrichten für Lehmann, Kahn und Co. drei Wochen vor dem Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft: Torhüter können auch bei größter Konzentration nicht zuverlässig voraussehen, ob ein Freistoß ins Tor zielt.

Dafür ist das menschliche Auge nicht gut und nicht schnell genug, wie die Psychologin Cathy Craig von der Queen's University Belfast (Nordirland) im Fachblatt „Naturwissenschaften“ (Bd. 93, S. 97) berichtet.

Die Flugbahn eines angeschnittenen Schusses sei für einen Torwart schlecht einzuschätzen. Das Auge könne die Richtung eines mit starkem Drall getretenen Balls von einer bestimmten Geschwindigkeit an nicht ausreichend verfolgen. Kicker geben dem Ball bei einem Freistoß oft einen solchen Drall mit.

Im Experiment untersuchten Craig und ihr Forscherteam, wie Profifußballer die Flugbahn des Balls wahrnehmen, wenn dieser nach dem Freistoß seitlich abdriftet. Dazu spielten die Wissenschaftler elf Berufskickern und neun Torhütern von AC Mailand und Olympique Marseille sowie der deutschen Bundesligisten Bayer Leverkusen und Schalke 04 jeweils knapp 500 computersimulierte Freistöße vor. Die Kicker betrachteten die Szene mit Hilfe einer Computer-Spezialbrille von der Tormitte aus. In der Simulation verschwand der Ball jeweils zehn bis zwölf Meter vor dem Tor, und die Probanden mussten beurteilen, ob er im Tor gelandet wäre oder nicht.

Dabei stellte sich heraus, dass die Profis Bälle, die direkt auf das Tor zukamen, stets als Treffer einschätzten. Das galt auch für Schüsse, die wegen ihres Dralls tatsächlich aber am Tor vorbeigingen. Dagegen rechneten die Kicker irrtümlicherweise nicht mit einem Treffer, wenn der Ball nicht direkt aufs Tor flog, aber dank seines Dralls dennoch darin landete.

Craig und ihre Kollegen folgern, dass die Spieler ihre Einschätzung nur auf die aktuelle Flugrichtung des Balls stützen und den Seitendrall nicht gut einkalkulieren können. Dieser Mangel habe seinen Ursprung in den Einschränkungen des menschlichen Sehsystems, das den Ankunftspunkts eines zusätzlich beschleunigten Objekts nicht gut voraussehen könne, schreiben die Forscher. Das nicht ausreichende Sehvermögen unserer Augen könne offensichtlich auch nicht durch die Erfahrung der Profis ausgeglichen werden.

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