Galileo-Entwicklungsvertrag unterzeichnet
Weg für milliardenschweres Satellitenprojekt frei

Das milliardenschwere europäische Satelliten-Navigationssystem ist am Donnerstag einen weiteren entscheidenden Schritt vorangekommen. Ab Ende 2010 soll Galileo weltweit eine wesentlich genauere Positionsbestimmung erlauben als das amerikanische GPS.

HB BERLIN. Die Europäische Weltraumorganisation ESA und das Firmenkonsortium Galileo Industries unterzeichneten am Donnerstag in Berlin den Vertrag über die ersten vier Satelliten. Die Vereinbarung umfasst mehr als eine Milliarde Euro. Bis zum Jahr 2010 soll das Projekt mit 26 weiteren Satelliten voll einsatzfähig sein. Die Gesamtkosten für Europas Alternative zum US-Navigationssystem GPS wurden von ESA und EU auf 3,8 Mrd. Euro veranschlagt. Deutschland trägt mit 500 Mill. Euro den größten Anteil.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) begrüßte den Vertragsabschluss. „Galileo ist eines der wichtigsten europäischen Gemeinschaftsprojekte“, sagte Tiefensee. Der Vorstandschef von Galileo Industries, Günter Stamerjohanns, sprach von einem „Meilenstein“ für das Projekt. ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain bezeichnete den Kontrakt als „einen der wichtigsten Verträge, den die ESA jemals mit der Industrie unterzeichnet hat“.

Bis 2008 soll die Entwicklung der gesamten Technik für Galileo abgeschlossen sein. Dann werden die ersten vier Satelliten ins All geschossen und das System auf Funktionsfähigkeit geprüft. Das Projekt ist das erste globale Navigationssystem, das speziell für zivile Zwecke entwickelt wurde. Der US-Konkurrent GPS wird vom amerikanischen Militär kontrolliert. Mit Galileo wollen die Europäer vom wachsenden Weltmarkt für Navigation profitieren. „Die Satellitennavigation wird schier unendliche Anwendungsmöglichkeiten offerieren“, sagte Tiefensee. Ziel sind neue Anwendungen bei der Kontrolle des Verkehrs, in der Sicherheitstechnik und bei Mautsystemen. Nach Expertenansicht wird Galileo mehr als 100 000 Arbeitsplätze in Europa schaffen.

Vor allem die deutsche Raumfahrtbranche erwartet neue Impulse. Eines der beiden Galileo-Kontrollzentren wird voraussichtlich in Oberpfaffenhofen bei München errichtet. Zudem ist das deutsche Konsortium TeleOp gleichberechtiger Partner im Betreibergremium des Projekts. „Damit werden in Deutschland Know-How und Arbeitsplätze erhalten und neu geschaffen - gerade auch in der mittelständischen Industrie“, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, Thomas Enders.

Seine erste Probephase hatte das Navigationssystem bereits in der vergangenen Woche bestanden, als der am 28. Dezember gestartete Testsatellit Giove-A die ersten Navigationssignale sendete. Bis Mitte Februar soll die Erprobung von Giove-A beendet sein. Im April wird voraussichtlich der zweite Testsatellit Giove-B gestartet. In der Vergangenheit hatte das Projekt mehrfach vor dem Aus gestanden. Die Partner, zu denen auch fünf außereuropäische Staaten wie China und Israel gehören, stritten monatelang um Finanzierung und Kompetenzen.

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