Galileo Galilei
„Ich habe abgeschworen mit eigener Hand“

Vor 450 Jahren wurde der erfolgreichste Studienabbrecher der Wissenschaftsgeschichte geboren: Galileo Galilei hob ein Weltbild aus den Angeln - und musste am Ende doch vor der Engstirnigkeit der Kirche kapitulieren.
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Der Tag des Urteils ist ein Mittwoch. Im Büßerhemd kniet der greise Delinquent vor seinen Richtern und spricht die Formel nach, die sein Lebenswerk ad absurdum führen soll: „Ich, Galileo Galilei (…), der ich mich diesem heiligen Officium der Ketzerei stark verdächtig gemacht habe, für wahr gehalten und geglaubt zu haben, dass die Sonne Mittelpunkt der Welt und unbeweglich sei und die Erde nicht Mittelpunkt sei und sich bewege (...), verfluche und verwünsche (…) besagte Irrtümer und Ketzereien und jeden anderen der heiligen Kirche widersprechenden Irrtum und Sektiererglauben.“

Es ist ein Moment des Triumphs für die zehn Kardinäle, die über Galilei zu Gericht sitzen: Der größte Wissenschaftler ihrer Zeit hat sich der Inquisition gebeugt und dem ketzerischen Weltbild abgeschworen, das ein Jahrhundert zuvor von Nikolaus Kopernikus ausgeformt worden war. In einem zunächst wenig beachteten Werk hatte der die Erde aus dem Zentrum des Universums gerückt und an ihre Stelle die Sonne platziert – was sich mit den beobachtbaren Bewegungen der Planeten deutlich besser vertrug, für die Kirche aber nicht in Einklang mit der Heiligen Schrift zu bringen war. Dass sich eine wissenschaftliche Autorität wie Galilei die kopernikanischen Ideen zu eigen machte, war für die Kirche Provokation und Bedrohung zugleich.

Tatsächlich galt der 1564 geborene Sohn eines Florentiner Tuchhändlers spätestens seit dem Jahr 1610 als einer der hervorragendsten Köpfe seiner Zeit. In jenem Jahr erschien sein Werk „Sidereus Nuncius“ (Sternenbote), in dem er die Ergebnisse seiner Himmelsbeobachtungen mit einem selbstgebauten Fernrohr beschrieb. Als erster Mensch hatte sich Galileo der seinerzeit noch neuen Beobachtungstechnik bedient, um den Nachthimmel zu erforschen – mit durchschlagendem Erfolg: Er entdeckte die heute nach ihm benannten vier größten Monde des Planeten Jupiter, kartierte die Mondoberfläche, deren zerklüftete und von Kratern übersäte Gestalt er erstmals nachwies, und konnte beweisen, dass die vermeintlich neblige Milchstraße in Wirklichkeit aus unzähligen Sternen besteht.

Als Galilei ein Jahr später Rom besucht, wird er mit Ehrungen überhäuft: Mehrfach empfängt ihn Papst Paul V. in Privataudienz, die exklusive Accademia dei Lincei macht ihn zu ihrem Mitglied – eine Auszeichnung, die Galilei so wichtig ist, dass er seinem Namen ein „Linceo“ anfügt. Aus dem Studienabbrecher – sein Medizinstudium hatte Galilei nach vier Jahren ohne Abschluss aufgegeben – ist ein renommierter Wissenschaftler geworden,  was in seiner Berufung zum Hofmathematiker des Großherzogs der Toskana im Jahr 1610 auch für alle Welt sichtbar – und gut bezahlt – zum Ausdruck kommt.

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