Galileo vor dem Start
Mit 30 Satelliten gegen die Dominanz der Amerikaner

Mit gehöriger Verspätung bringt Europa sein Satellitennavigationssystem Galileo auf den Weg. Es verspricht genauere Positionsbestimmungen als etwa der US-Konkurrent GPS. Doch die Präzision hat ihren Preis.
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Düsseldorf30 Satelliten in 23.000 Kilometer Höhe, bis zu 40 Antennenstationen weltweit und Kontrollzentren in Darmstadt, Toulouse, Fucino und Oberpfaffenhofen – das ist Galileo. Drei Jahre nach dem eigentlich geplanten Starttermin des europäischen Satellitennavigationssystems ist es am Donnerstag endlich soweit: Die ersten beiden Satelliten werden an Bord einer russischen Sojus-Rakete vom Weltraumbahnhof Kourou (Französisch-Guayana) ins All starten.

Das ebenso ehrgeizige wie umstrittene Galileo-System soll die europäische Eigenständigkeit unterstreichen und die Vormacht des US-amerikanischen GPS (Global Positioning System) brechen. Galileo wird viel präziser arbeiten als die US-Konkurrenz: Während GPS die Position auf zehn Meter genau erkennt, sollen die Galileo-Satelliten bis auf einen Meter genaue Bestimmungen ermöglichen.

Das eröffnet dem System Möglichkeiten weit über die bisherigen Bereiche der Satellitennavigation hinaus. „Viele Anwendungen werden erst mit der verbesserten Genauigkeit möglich“, so Walter Päffgen, Leiter des Galileo-Kontrollzentrums beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). „Containerzüge sind dafür ein gutes Beispiel.“ Wenn im Bahnhof Gleis an Gleis liegt, nutzt eine nur halbwegs genaue Positionsbestimmung wenig. Schon Abweichungen von wenigen Metern machen es unmöglich, den Container auf seinem Weg zu verfolgen.

Einsatzszenarien für das Prestigeprojekt von EU und Europäischer Weltraumorganisation (ESA) gibt es zu Lande, zu Wasser und in der Luft: Fahnder können die Daten bei der Verbrecherjagd nutzen, Bauingenieure beim Einmessen von Gebäuden. Flüge sollen pünktlicher und sicherer werden: Durch präzisere Anflüge könnten Verspätungen, Umleitungen oder Stornierungen – etwa wegen Unwetters – reduziert und dabei sogar noch Treibstoff gespart werden.

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Kommentare zu " Galileo vor dem Start: Mit 30 Satelliten gegen die Dominanz der Amerikaner"

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  • Das ganze kommt satte 30 Jahre zu spät.

  • Es ist wirklich zum kotzen, wenn man bedenkt, was man alles mit dem Geld für die Banken machen könnte, was dann die Effizienz von Deutschland und Europa steigern könnte. Aber unsere Politik gibt das Geld ja für Banken aus, welche aus Gier sich lieber dem Spekulieren gewidmet haben als dem reellen Arbeiten.

  • Ja, aber wie gesagt: Auch die Allerweltsgenauigkeit von GPS reicht bereits vollkommen, um so eine "BlackBox" einzuführen. Ob zur Unfalldatenerfassung oder für Bewegungsprofile. Einen Rückkanal hat Galileo genauso wenig, wie GPS. Auch hier brauchen sie z.B. das Mobilfunknetz, um die Position von irgendwas irgendwohin zu senden. Und das kann heute im Prinzip jedes Smartphone oder jetzt sogar die kleinen Dinger, die für 49€ in der ADAC-Motorwelt angeboten werden. Und ob die Position dabei auf einen oder auf zehn Meter genau übertragen wird ist doch vollkommen egal. In sofern: Keine größere Gefahr als auch bisher schon.

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