Gastbeitrag
Kein Kampf der Kulturen

Der Karikaturenstreit, der Sieg der Hamas und die Äußerungen des neuen iranischen Präsidenten Ahmadineschad sind kein Zeichen für den Ausbruch des "Kampfes der Kulturen", sondern beweisen, dass rationale Politik zunehmend von einer Politik der Emotionen verdrängt wird. Die islamischen Machthaber im Iran schüren Aggressionen, um ihre Vormachtstellung in der Region zu schaffen.

WIEN. Mahmud Ahmadinedschad, die Hamas und der Abdruck einiger Karikaturen in Dänemark beherrschen die Medien und sorgen für Diskussionen, ritualisierte Protestmärsche und Brandstiftungen. Die Reaktionen in den westlichen Medien bilden einen Regenbogen, der mit Verlegenheitserklärungen und Witzen beginnt und mit Nachdenklichkeit und Entschuldigungen endet. Und überall Fragen, die nicht zu beantworten sind.

Beginnen wir mit dem Sieg der Hamas bei den palästinensischen Parlamentswahlen. Wer die Sieger im Fernsehen sah, fragte sich, was sie eigentlich wollen. Wieso schleudern sie Steine gegen die Fassade jenes Parlamentsgebäudes, in dem sie bald sitzen wollen? Wozu wollen sie ein Gebäude stürmen, das sie mit der absoluten Mehrheit legal betreten können?

Das zweite Verständigungsproblem schafft Ahmadinedschad, der neue Präsident der Islamischen Republik Iran, der mit einer Reihe deplatzierter, schändlicher Aussagen alle vertrauensbildenden Maßnahmen der ehemaligen Regierung torpediert und sein Land in eine Situation der Isolierung führt. Anstatt die Weltgemeinschaft zu beruhigen, dass die Islamische Republik bei der Nutzung der Atomenergie nur friedliche Zwecke verfolgt, will er Israel von der Landkarte "wegradieren" und leugnet den Holocaust.

Das nächste Verständigungsproblem rührt von der dänischen Zeitung Jyllands-Posten, die mit 12 Karikaturen über den Propheten Mohammed eine zusätzliche Front in den Weltmissverständnissen eröffnete. Obschon der Karikaturist, der den Propheten Mohammed mit einer Bombe statt Turban am Kopf zeichnete, hätte wissen müssen, dass er die religiösen Gefühle von mehr als einer Milliarde Mohammedaner verletzt.

Soll all das ein Signal zum Beginn eines "Kampfes der Kulturen" sein, bei dem, wie kürzlich vom französischen Präsidenten Jacques Chirac angedeutet wurde, auch die Anwendung atomarer Waffen denkbar scheint?

Seite 1:

Kein Kampf der Kulturen

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%