Gebäudetechnik
Der Schalter funkt im Hintergrund

Das Raumklima steuern, ohne dass dafür eine aufwendige Installation notwenig ist: Die dafür benötigten Schalter und Sensoren werden einfach an Decken, Wänden und Festern geklebt. Diese übertragen ihre Signale per Funk und beziehen Energie aus ihrer Umgebung.

DÜSSELDORF. Der Möbelhersteller Sedus Stoll hat einen schlauen Stuhl erfunden. Sobald sich jemand hinsetzt, passieren wundersame Dinge: Die Schreibtischlampe geht an, die Klimaanlage schaltet sich ein und die Heizung legt los. Dahinter steckt ein unscheinbarer Schalter in der Sitzfläche, der betätigt wird, wenn sich jemand auf den Stuhl setzt. Das Besondere daran, der Funkschalter benötigt keine Batterie, sondern bezieht seine Energie aus dem Druck beim Schalten.

Entwickelt wurde der batterielose Funkschalter vom Elektronikhersteller Enocean. Das Oberhachinger Unternehmen hat seinen Druckschalter inzwischen weiterentwickelt und zusätzliche Wege gefunden, mit denen die Sensoren und Schalter ihre Energie ganz einfach aus der Umgebung gewinnen können: Leichte Vibrationen, schwaches Licht oder geringe Temperaturschwankungen reichen aus, um die in den Schaltern eingebauten Sendemodule mit Strom zu versorgen. Damit lässt sich beispielsweise das Raumklima ohne Installation einer aufwendigen Energieversorgung steuern, wie das Unternehmen Anfang April ( 6. bis 11.04.2008) auf der Fachmesse "light + building" in Frankfurt zeigen wird.

Enocean habe den Strombedarf der Module so weit reduziert, dass diese mit einem Minimum an Energie auskomme – „und die kann man überall abzapfen“, sagt Markus Brehler, der Chef der Siemens-Ausgründung. Die Technik bündelt die Sendepulse so stark, dass sie in nur einer millionstel Sekunde Daten über eine Entfernung von bis zu 30 Metern übertragen können. Die Energie ist dabei extrem gering – sie beträgt nur 50 millionstel Wattsekunden.

Die Anwendungsmöglichkeiten sind enorm: Inzwischen gibt es mehr als 260 verschiedene Schalter und Sensoren. Zum Einsatz kommen die Geräte vor allem in der Gebäudetechnik. Dazu gehören Lichtschalter, Jalousientaster oder Temperatur-Sensoren für die Steuerung von Heizung, Lüftung und Klimaanlage. „Mit der batterielosen Funktechnik verschaffen die Firmen ihren Produkten völlig neue Eigenschaften: Sie können so untereinander ohne lange Leitungen Daten austauschen, sind flexibel einsetzbar und lassen sich einfach steuern“, sagt Brehler.

Die Idee kommt an: Das Unternehmen hat seit 2004 jedes Jahr Stückzahlen und Umsatz verdoppelt. Gut 300 000 Funkmodule zu einem Preis von knapp 80 Euro hat Enocean in den vergangenen fünf Jahren verkauft. Die Technik funkt weltweit in mehr als 10.000 Gebäuden – etwa im Walldorfer Hauptsitz des Softwareherstellers SAP, in der Dresdner Semperoper und der Messe Frankfurt.

Weiteres Wachstum verspricht sich Brehler vom Trend zur Energieeinsparung. Dabei soll vor allem das USA-Geschäft für mehr Umsatz sorgen. Dort sei die Technik für das sogenannte „Green Building“ anerkannt, sagt der Unternehmenschef. In Europa stehe die Steuerung des Stromverbrauchs in Bürogebäuden, Krankenhäusern oder Hotels im Vordergrund. Enocean hat auch Privatkunden im Blick: Für 2009 plant das Unternehmen ein System, das den Energieverbrauch in Einfamilienhäusern verringert.

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