Gefährlicher Einsatz
Astronauten müssen Discovery notreparieren

Für die Astronauten der Discovery bleibt die Situation angespannt. In einer gewagten Aktion sollen sie jetzt das Außenschild der amerikanischen Raumfähre notreparieren. Misslingt der Einsatz, droht beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre die befürchtete Erwärmung des Shuttles.

HB WASHINGTON. Die Entscheidung sei einfach gewesen, weil man jegliche Gefahr für die Astronauten bei der Rückkehr auf die Erde ausschließen wollte, betonte der stellvertretende Programmmanager der US-Weltraumbehörde NASA, Wayne Hale, am Montagabend im Flugleitzentrum in Houston (Texas).

Erstmals in der 24-jährigen Geschichte der Shuttle-Flüge muss ein Astronaut an der Unterseite einer Raumfähre Reparaturarbeiten unternehmen. Discovery-Astronaut Stephen Robinson soll mit Hilfe des 30 Meter langen Roboterarms bei seinem dritten Außeneinsatz die Füllstreifen entfernen oder stutzen, die sich an zwei Stellen aus den Fugen zwischen den Hitzekacheln gelöst haben. Die Gefahr dabei ist nach Einschätzung der NASA, dass dabei die Außenhaut weiteren Schaden nimmt.

Hale betonte, dass die NASA nach tagelangen Diskussionen einen „sehr einfachen Plan“ entwickelt habe, der von den Astronauten gleich akzeptiert worden sei. Da die aerodynamischen Folgen des derzeitigen Schadens an der Außenhaut beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre einfach nicht bekannt seien, habe die NASA sich zu der Reparatur entschlossen.

NASA-Experten befürchten, dass sich an den bis zu 2,5 Zentimeter herausstehenden Streifen beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre Turbulenzen bilden könnten, was wiederum zu einer zusätzlichen, risikoreichen Erwärmung des Hitzeschildes führen könnte.

Am Donnerstag vergangener Woche hatte die US-Raumfähre an der Internationalen Raumstation ISS angedockt. Bereits am Samstag hatte die NASA die Mission der Discovery um einen Tag auf den 8. August verlängert. Das soll der Besatzung Zeit für zusätzliche Arbeiten an und in der ISS geben, da unklar ist, wann der nächste Shuttle auf Besuch kommt. Am vergangenen Mittwoch hatte die NASA alle weiteren Missionen vorläufig auf Eis gelegt, nachdem auch beim Start der Discovery wieder ein Stück Schaumstoff vom Außentank abgeplatzt war.

Seit dem Unglück der Raumfähre Columbia am 1. Februar 2003, bei dem alle sieben Astronauten an Bord umkamen, hat bei der NASA die Sicherheit oberste Priorität. Damals hatte ein Stück Isolierschaum beim Start den linken Flügel des Raumschiffs so schwer beschädigt, dass es beim Wiedereintritt in die Atmosphäre auseinander brach. Am Montag hatten zwei „Discovery“-Astronauten ein seit drei Jahren defektes Gyroskop an der ISS ausgetauscht, damit die Internationale Raumstation bei ihrer Erdumkreisung wieder genau Kurs halten kann.

Während ihres Weltraumeinsatzes verbrachten der Amerikaner Robinson und der Japaner Soichi Noguchi nach Angaben von NASA-Mitarbeiterin Cindey Begley 7 Stunden und 14 Minuten im All. Das Gyroskop wird zum Kurshalten und für die Balance im Weltall gebraucht. Die NASA- Techniker im Flugleitzentrum in Houston erlebten eine Schrecksekunde, als das neue Instrument nicht sofort funktionierte. Noguchi fand dann den Fehler in einem losen Anschlussstück.

Es handelte sich nach Angaben der NASA um den 60. Außeneinsatz zum Aufbau oder zur Reparatur der ISS. Die siebenköpfige „Discovery“-Crew soll am Dienstag einen halben Tag frei bekommen und sich auf die Reparatur an der Außenhaut am Mittwoch vorbereiten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%