Gefahr aus dem All
Weniger Asteroiden in Erdnähe

Das Risiko, dass die Erde von einem großen Asteroiden getroffen werden könnte, ist offenbar kleiner als bislang gedacht. Forscher haben die Schätzungen zur Zahl erdnaher Asteroiden deutlich nach unten korrigiert.
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DüsseldorfDie Zahl mittlerer und großer Asteroiden nahe der Erde ist deutlich kleiner als bisher angenommen. Das geht aus Beobachtungen mit dem Infrarot-Teleskop „Wise“ hervor, deren Ergebnisse die US-Raumfahrtbehörde Nasa am Donnerstag veröffentlicht hat. Damit könnte die Gefahr für die Erde, von einem wirklich großen Brocken aus dem All getroffen zu werden, etwas geringer sein als bislang angenommen, mutmaßen die Forscher um Amy Mainzer vom Jet Propulsion Laboratory.

Die Forscher werteten Daten aus, die „Wise“ bei einer umfassenden Himmelsdurchmusterung zwischen Januar 2010 und Februar 2011 gesammelt hatte. Zur Erfassung kleiner Objekte wie Asteroiden eignet sich die Infrarotbeobachtung besonders gut: Während optische Teleskope oft Probleme haben, die meist nur geringe Lichtreflexion solcher Himmelskörper zu erfassen, reagieren Infrarotteleskope auf die Wärme, die von einem solchen Objekt selbst abgestrahlt wird.

Die beim Scannen des Himmels gewonnenen Daten lassen den Schluss zu, dass es etwa 19.500 mittelgroße Asteroiden mit einer Breite zwischen 100 und 1000 Metern in relativer Erdnähe – bis zu 195 Millionen Kilometer – gibt. Bisher gingen Experten von 35.000 solcher Objekte aus.

Die Zahl der größeren Asteroiden mit mehr als 1000 Meter Durchmesser korrigierten die Forscher leicht nach unten – von geschätzten 1000 auf 981. Von diesen Himmelskörpern, deren Vernichtungskraft das gesamte Leben auf der Erde gefährden würde, sind bereits 911 entdeckt worden. Keiner davon stellt in den kommenden Jahrhunderten ein Risiko für die Erde dar.

„Das Risiko, dass ein wirklich großer Asteroid auf der Erde einschlägt, ohne dass wir ihn vorher aufspüren und vor ihm warnen können, hat sich substanziell verringert“, bilanziert Tim Spahr vom Minor Planet Center des Harvard Smithsonian Center for Astrophysics.

Anders sieht die Situation bei den mittelgroßen Objekten aus, deren Zerstörungskraft immer noch ausreicht, um eine Großstadt auszulöschen. Von den geschätzt knapp 20.000 Objekten dieser Größe wurden bislang erst 5.200 entdeckt. Und die Zahl noch kleinerer Objekte mit Zerstörungskraft, die unentdeckt durch den erdnahen Raum ziehen, schätzen die Wissenschaftler sogar auf rund eine Million.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

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