Gefahr bei neuer Therapie
Studien verunsichern Herzpatienten

Medizinische Drahtgeflechte, sogenannte Stents, wurden bislang als entscheidende Neuerung für die Kardiologie gefeiert: Die mit Medikamenten überzogenen Drähte verhindern erneute Verschlüsse. Doch in der ersten Euphorie wurden offenbar gravierende Nebenwirkungen übersehen.

BERLIN/DÜSSELDORF. Medikamentenbeschichtete Stents galten vor wenigen Jahren als die Innovation in der Kardiologie. Hauchdünne Drahtgeflechte, die nach einer Aufweitung von Herzgefäßen in die Arterien eingesetzt werden, wurden mit einem Überzug versehen, aus dem Arzneimittel in den Körper freigesetzt werden, um ein erneutes Zusetzen der Adern zu verhindern. Studien zeigten, dass dadurch die Zahl der Wiederverschlüsse – so genannten Restenosen – deutlich verringert werden konnte.

Inzwischen ist die Euphorie verflogen. Berichte, wonach medikamentenbeschichtete Stents Blutgerinnsel auslösen können, haben Kardiologen wie Patienten verunsichert. Ärzte aus Basel hatten im Herbst vergangenen Jahres auf einem Kardiologenkongress in Barcelona von gehäuften Komplikationen berichtet. Die Schweizer Forscher hatten Studien zu arzneibeschichteten Stents ausgewertet und berichtet, dass sie eine leicht erhöhte Sterblichkeit bei Patienten beobachten konnten, denen eine solche Gefäßstütze implantiert wurde.

Die Mediziner führen dies auf Thrombosen in den Kranzgefäßen zurück – eine Gefäßerkrankung, bei der sich Blutgerinnsel bilden. Die Gerinnsel entstehen, weil beschichtete Stents langsamer als unbeschichtete in die Gefäßwand einheilen. Jeder Fremdkörper fördert die Bildung von Blutgerinnseln, wodurch die Arterie wieder verstopfen kann. Noch ist vieles unklar. So weiß man nicht, warum auch noch ein Jahr später Stent-Thrombosen auftreten.

Vor allem unter den Medizinern ist die Enttäuschung groß, dass die ehemals gefeierten beschichteten Stents jetzt in die Kritik geraten. Ihr vermeintlicher Vorteil überzeugte einst viele Kardiologen: Während sich bei der Verwendung von reinen Metallstents das Gefäß in 25 bis 35 Prozent der Fälle innerhalb weniger Wochen wieder zusetzte und erneut geweitet werden musste, blieben die Kranzarterien mit den beschichteten Stents in mehr als 90 Prozent frei.

Nun müssen die Ergebnisse unter einem neuen Licht betrachtet werden. „Die neuen Erkenntnisse zeigen, dass die Vorteile der neuartigen Stents deutlich überbewertet wurden“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung Hans-Jürgen Becker. Es gebe nur noch wenige Indikationen, die den Einsatz der medikamentenbeschichteten Stents rechtfertigten.

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