Gehirnforschung: Zentrum für Schadenfreude entdeckt

Gehirnforschung
Zentrum für Schadenfreude entdeckt

Forscher haben ein Zentrum für Schadenfreude im Gehirn nachgewiesen. Es ist insbesondere bei Männern aktiv. Wird vor ihren Augen jemand bestraft, der sich zuvor unfair verhalten hat, werden in ihrem Gehirn Belohnungszentren angeschaltet. Dies berichten britische und US-amerikanische Forscher in einer Online-Veröffentlichung des Fachblatts „Nature“ (DOI: 10.1 038/nature.04 271). In faire Mitmenschen können sich hingegen sowohl Männer als auch Frauen einfühlen: Sie empfinden dann die Gefühle des Gegenübers nach.

dpa LONDON.­ Das Einfühlungsvermögen, auch Empathie genannt, ermöglicht uns, die Gefühle anderer Menschen nachzuempfinden. Mit bildgebenden Verfahren konnten Wissenschaftler in den vergangenen Jahren zeigen, dass das bloße Betrachten oder die Vorstellung eines Gefühls im Gehirn in der Regel dieselben Reaktionen auslösen wie das eigene Erleben des Gefühls. Empfindet also ein Gegenüber Schmerzen, werden im Gehirn des Betrachters ebenfalls Schmerzzentren aktiviert. Die Forscher um Tania Singer vom University College of London (Großbritannien) wollten nun untersuchen, inwieweit das Sozialverhalten der Mitmenschen Einfluss auf diese Reaktionen hat.

Sie ließen Freiwillige dazu ein Spiel spielen, in dem sich ihr Gegenüber bewusst entweder fair oder unfair verhielt. Auf diese Weise wollten die Forscher die Probanden dazu bringen, ihre Mitspieler zu mögen oder eben abzulehnen. Dann fügten die Wissenschaftler den fairen und unfairen Mitspielern vor den Augen der Versuchspersonen Schmerzen zu und bestimmten gleichzeitig die Gehirnaktivität der Probanden. Wurden nette Mitspieler bestraft, maßen die Wissenschaftler sowohl bei Männern als auch bei Frauen einen Anstieg in den entsprechenden Schmerzzentren.

Bei unfairen Mitspielern hingegen blieb diese einfühlende Reaktion zumindest bei den Männern aus. Stattdessen wurden bestimmte Belohnungszentren im Gehirn aktiviert. Bei den Frauen nahm die Empathie dagegen kaum ab. Warum die Reaktion der Geschlechter so unterschiedlich ausfällt, wissen die Forscher derzeit nicht. Möglicherweise hat es damit zutun, dass die im Versuch angewandte Bestrafung ­ körperliche Schmerzen ­ eher das Männliche anspricht und zum Beispiel psychologische oder finanzielle Sanktionen auch bei Frauen Wirkung gezeigt hätte. Es ist aber auch denkbar, dass Männern in der menschlichen Gesellschaft eher die Aufgabe zukommt, die Gerechtigkeit aufrechtzuerhalten und Regelverstöße zu ahnden, schreiben die Forscher.

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