Geier werden zur bedrohten Art Fliegende Gesundheitspolizei mit schlechtem Image

Auf Safaris ist es eines der beliebtesten Fotomotive: Dutzende Geier stürzen sich auf einen Tierkadaver und fressen, bis nichts mehr übrig bleibt. Aber vielerorts stehen Geier mittlerweile vor dem Aussterben.
Weißrückengeier in Tansania: In weiten Teilen der Welt ist die Zahl der Geier so dramatisch geschrumpft, dass sie aussterben könnten. Quelle: dpa
Geier

Weißrückengeier in Tansania: In weiten Teilen der Welt ist die Zahl der Geier so dramatisch geschrumpft, dass sie aussterben könnten.

(Foto: dpa)

Madrid/ToledoGeier haben nicht unbedingt das beste Image, fehlt ihnen doch der stolze Habitus eines Adlers oder die elegante Flugtechnik eines Albatrosses. Zudem ernähren sie sich von dem, was andere ihnen übrig lassen: Mit starrem Blick auf die Erde kreisen sie über Tierkadavern, um sich zu gegebener Zeit auf das Aas zu stürzen und es zu verspeisen. „Gesundheitspolizei der Natur“ nennen Experten das.

Doch die fliegenden Gesundheitspolizisten mit dem zweifelhaften Image könnten bald zu einer Rarität werden: In weiten Teilen der Welt ist die Zahl der Geier so dramatisch geschrumpft, dass sie aussterben könnten. In Afrika und Asien etwa, wo die sogenannten Altweltgeier leben, sei ihre Zahl in den vergangenen Jahrzehnten um 95 Prozent zurückgegangen, hieß es vor wenigen Tagen bei einem Expertentreffen in der spanischen Stadt Toledo, bei dem ein Aktionsplan zur Rettung der Tiere ausgearbeitet wurde.

Die Giraffe steht jetzt auf der Roten Liste
Bedrohte Art
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Die Weltnaturschutzorganisation IUCN hat die Giraffe auf ihre Rote Liste der vom Aussterben gefährdeten Arten gesetzt. Ihre Population sei in den vergangenen 30 Jahren um bis zu 40 Prozent gesunken, teilten die Umweltschützer am Donnerstag (8.12.) mit.

Immer weniger Lebensraum
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Wurden 1985 noch rund 163.000 Exemplare gezählt worden, so waren es 2015 nur noch rund 97.000. Das liege vor allem daran, dass die Tiere immer weniger Lebensraum hätten und sie illegal gejagt würden, so die IUCN. Zudem trügen politische Unruhen in den Hauptverbreitungsgebieten der Tiere im Süden und Osten Afrikas zum Schwund der Bestände bei.

Nashorn
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Auch andere Großtiere des afrikanischen Kontinents stehen auf der Roten Liste. So etwa das Nashorn, das auf der Abschussliste von Wilderen weit oben steht, weil seinem Horn fälschlicherweise heilende Wirkung zugeschrieben wird. Sowohl die afrikanischen Breitmaul- und Spitzmaul-Nashörner, als auch die in Asien beheimateten Java-, Panzer- und Sumatra-Nashörner sind akut vom Aussterben bedroht.

Elefant
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Auch für Elefanten stellen Wilderer eine große Gefahr dar. Wegen der hohen Nachfrage nach Elfenbein werden die riesigen Tieren sogar in Nationalparks bejagt. In Afrika gibt es laut einer aktuellen Studie noch etwa 350.000 Tiere, jedes Jahr werden es etwa acht Prozent weniger. Noch dramatischer sieht die Lage für den Asiatischen Elefanten aus, laut der Naturschutzorganisation WWF leben in Asien nur noch zwischen 25.600 und 32.750 Tiere.

Menschenaffen
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Auch die Menschenaffen – Schimpansen, Bonobos, Gorillas und Orang-Utans – stehen auf der Liste der bedrohten Arten. Weltweit gibt es noch rund 6000 Gorillas. Neben Wilderern bedrohen Infrastrukturprojekte und damit einhergehende Rodungen den Bestand der Tiere. Nach Schätzungen des WWF werden bis zum Jahr 2030 über 90 Prozent des heute noch vorhandenen Gorilla-Lebensraums zerstört sein.

Tiger
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Doch nicht nur Afrika steht im Fokus der Artenschützer. In Indien lebt mehr als die Hälfte der weltweit noch rund 3000 Tiger. Trotz Dutzender Schutzgebiete schwand ihre Zahl von etwa 5000 bis 7000 in den 90er Jahren, als ihr Lebensraum noch mehr als doppelt so groß war. Die Wilderei, getrieben von der Nachfrage nach Tigerteilen in der traditionellen chinesischen Medizin, stellt eine große Gefahr dar, ebenso wie die Abholzung von Wäldern und das Wachstum von Städten. Dadurch kommen die Großkatzen menschlichen Siedlungen immer näher und geraten in Konflikt mit Dorfbewohnern, die Angriffe auf sich selbst oder ihr Vieh fürchten.

Tiger
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Gründe für das Verschwinden des Tigers sind neben Trophäenjagd und organisierter Wilderei der Raubbau am Lebensraum der Tiere: Ihr einstiges Verbreitungsgebiet erstreckte sich vom Kaukasus über Indien und China bis nach Sibirien. Um 1900 gab es schätzungsweise noch 100.000 Tiger in ganz Asien. Mittlerweile haben die freilebenden Tiger noch rund 100.000 Quadratkilometer Lebensraum, wenn man alle Gebiete zusammenrechnet. Das entspricht der Fläche der Insel Neufundland vor der kanadischen Nordküste.

Von den insgesamt 23 Geierarten sind 16 global bedroht. Vier asiatische und vier afrikanische Arten werden auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) bereits als „kritisch bedroht“ geführt, darunter der Kappengeier, der Weißrückengeier, der Indiengeier und der Sperbergeier.

„Drastische Maßnahmen sind nötig, um dieser Notsituation zu begegnen“, sagte Iván Ramírez, Leiter des Bereichs Naturschutz von BirdLife in Europa und Zentralasien. „Es handelt sich nicht nur um ganz wundervolle Tiere, die unbedingt erhalten werden müssen, sondern auch um die Gesundheitspolizei unserer Ökosysteme.“

Warum sind Geier so wichtig? Greifvogelexperte Nick Williams erklärt die Zusammenhänge: „Geier sind dazu gebaut, die Erde von Tierkadavern zu säubern. Sie sind Aasfresser, und ohne sie würden andere Tierarten diese Aufgabe übernehmen oder die Kadaver würden einfach liegenbleiben.“

Das wiederum könnte ganze Ökosysteme destabilisieren und zudem zur Verbreitung von Krankheiten unter Tieren, aber auch Menschen beitragen. „Geier sind eine spektakuläre Komponente der Artenvielfalt des Lebensraums, den sie bewohnen“, so Williams.

Qualvoller Gifttod
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